Ein Eigengewächs voller Lebenskraft

Nicht allein als Gastgeberin des Pfingstfestes 2015 ist die Neuapostolische Kirche in Sambia eine kleine historische Rundreise wert: Die – nach Mitgliederzahlen – zweitgrößte Gebietskirche hat eine ganz eigenständige Entwicklung hinter sich. Und dann ist da noch die Musik.

Fast 1,4 Millionen Glaubensgeschwister zählt der Arbeitsbereich von Bezirksapostel Charles Ndandula, zum dem auch Simbabwe und Malawi gehören. Und mehr als 1,1 Millionen Mitglieder leben allein in Sambia. Das wird – sowohl bei den Gebietskirchen als auch auf das Land gerechnet – nur noch in der Demokratischen Republik Kongo getoppt.

Schüler nimmt Lehrer-Namen an

Ein typischer Vertreter der klassischen neuapostolischen Missionierung ist Sambia keinesfalls: Die Anfänge der Kirche liegen nicht – wie in den vielen anderen Ländern – in der Verkündigungsarbeit von europäischen oder nordamerikanischen Amtsträgern. Es war ein Afrikaner, der das Glaubensbekenntnis in das Land brachte: der spätere Apostel George Mkandawire.

Geboren wurde er um 1900 im heutigen Malawi. Seine Eltern ermöglichen ihm den Besuch einer Schule und der begabte und ungewöhnlich strebsame Schüler nimmt den Namen seines Lehrers an: Henwood. Als dieser Henwood nach Kapstadt versetzt wird, verlässt George Henwood Mkandawire seine Familie und geht mit seinem Mentor und dessen Familie nach Südafrika. Dort lernt er seine spätere Frau kennen, durch die er neuapostolisch wird. In der Gemeinde Athlone fällt er schnell als ein besonders aktives Mitglied auf.

Hilfswerk ehrt Gründervater

1928 lässt sich George Henwood Mkandawire – mittlerweile zum Diakon ordiniert – in Nord-Rhodesien nieder, dem heutigen Sambia. Nachdem er das Priesteramt erhalten hat, beginnt er zu taufen und legt so den Grundstock für die ersten Gemeinden: zunächst in Maramba, der damaligen Hauptstadt Livingstone und der heutigen Hauptstadt Lusaka. Doch Schritt um Schritt fasst das Bekenntnis bald Fuß im ganzen Land. 1954 wird George Henwood Mkandawire zum Apostel ordiniert – als erster Schwarzer in der Geschichte der Neuapostolischen Kirche.

Ihren Gründervater haben die Glaubensgeschwister in Sambia besonders gewürdigt: 2003 gründet die Gebietskirche ein Hilfswerk – die Henwood Foundation. Erklärtes Ziel ist die Bekämpfung von Armut in Sambia durch verbesserte Nahrungsmittelsicherheit. Außerdem werden Ausbildungsprojekte und Gesundheitsprogramme gefördert. Dazu zählt vor allem der Kampf gegen HIV/Aids.

Wachstumsschub braucht Hostienbäckerei

Am 1. Weihnachtsfeiertag 1955 versiegelt Apostel Henwood in Kitwe einen 18-Jährigen, der noch Reden von sich manchen wird: Duncan Burton Mfune. Mit ihm wird 1988 nicht nur der erste schwarze Bezirksapostel ordiniert, sondern auch ein Kirchenleiter berufen, welcher der Entwicklung der Gebietskirche noch einen gehörigen Schub verpassen wird. Als er sein Amt antritt, bekennen sich etwa eine halbe Millionen Menschen in Sambia zum neuapostolischen Glauben. Bis zu seiner Ruhesetzung hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.

Seinen Kurs – zudem auch der Aufbau von Einrichtungen wie der Henwood Foundation gehörte – setzte sein Nachfolger Charles Ndandula fort. So entstand in Lusaka die dritte neuapostolische Hostienbäckerei. Seit 1931 waren praktisch alle Gemeinden von Bielefeld/Deutschland aus versorgt worden. Ab 2003 belieferte die Neugründung in Kapstadt das südliche Afrika. Seit 2012 ist Sambia auch hierin eigenständig.

Bass ehemals mit Kalebassen

Und dann ist da noch die Musik: Gesang spielte auch in Sambia von Anfang an eine große Rolle –zunächst in ausgeprägt landestypischen Klangfarben. Das reichte vom traditionellen Liedgut über Chöre mit Bässen, die zwecks Lautstärke in Flaschenkürbisse (Kalebassen) hineinsangen, bis zur fehlenden Notation. Die Lern- und Lehrmethode der Dirigenten: zuhören, merken, vorsingen.

Der Wendepunkt für das Wachstum der Chöre und zur Vergrößerung des Repertoires kam Anfang der 1970er Jahre mit Bezirksapostel Andrew Fernandes. Er entdeckte im Kreis der Bezirksämter zwei musikalische Talente – darunter einen gewissen Duncan Burton Mfune – die er mit der Aufbauarbeit betreute. Ihnen folgten noch viele fähige Dirigenten, nicht zuletzt aus Südafrika.

Wie die Chöre in Sambia heute klingen, das beschrieb Stammapostel Richard Fehr in einem Rundschreiben an alle Apostel einmal so: „Wenn über tausend Sänger ein Lied vortragen, ist das wie ein geistiges Erdbeben.“ – Übrigens: Der Chor am Pfingstsonntag im National Heroes Stadium ist 2500 Stimmen stark.

Welche musikalischen Talente die Neuapostolische Kirche in Sambia zu bieten hat, das zeigt unser Video: Als Vierjähriger dirigiert Asfold Mudena Chor und Orchester in Lusaka. Die Aufnahmen wurden in einer längeren Version im Oktober 2010 auf Youtube veröffentlicht.

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Andreas Rother
21.05.2015