Von der Stärke eines Christenmenschen

Der Sonntag ist für Christen da; aber der Montag auch. Fromme Lieder singen kann jeder; sie im Alltag umsetzen ist schöner. Christsein fordert heraus – und das 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Am Sonntagmittag den Anzug an den Nagel hängen, … und dann endlich wieder ‚ich‘ sein?! Wer am Sonntag in der Kirche ‚Amen‘ gesagt hat, darf sich am Montag und Dienstag daran erinnern, was er am Feiertag zuvor bejaht hat. Wer im Gottesdienst Leib und Blut Jesu zu sich genommen hat, darf das seine Umgebung in den folgenden Tagen fühlen lassen. Wer Christ heißt, muss Christ sein. Die ganze Woche, ohne Ausnahmen.

Der Christ ist missionarisch

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (aus Matthäus 12,34). Bevor sich Reden und Handeln ändern, muss sich das Herz als Quelle aller Worte ändern. Wort und Wille Gottes im Herzen des Menschen lassen Gutes hervorkommen. Worte werden zu Wohltaten; der Christ zum Wohltäter und damit zum Botschafter des Evangeliums – auch und insbesondere im Alltag.

Der Christ ist gastfreundlich

„Seid gastfrei untereinander ohne Murren“ (1. Petrus 4,9) – von Herzen, mit aller Liebe und ohne Berechnung – oder wie das griechische Wort meint: „ohne Murmeln“, also ohne untergründiges Brummeln, ohne heimliches Reden. Dem Nächsten unvoreingenommen und herzlich begegnen – auch dann, wenn andere es nicht sehen.

Der Christ ist versöhnlich

„Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort“ (1. Petrus 3,9). Also nicht heimzahlen, nicht zurückschlagen. Sonst kann der Kreislauf des Bösen nicht aufgehalten werden. Jesus lehrte, dem Nächsten Segen, also das Gute, zuzusprechen. Der, der beleidigt, der Arges tut, ist davon nicht ausgeschlossen. Das kostet im Alltag sehr viel mehr Kraft, als im Vaterunser allen pauschal zu vergeben.

Der Christ ist liebend

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27). Es ist ein Arbeitsprogramm, das die Jahreslosung „Siegen mit Christus“ stützt. Es sind Worte, die immer wieder wachrütteln und die den Christen mit dem wichtigsten aller Gebote konfrontiert. Den Nächsten lieben, wie sich selbst – behaupte niemand, das sei leicht!

Der Christ ist dienend

„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Johannes 3,17) – Dein Bruder benötigt etwas? Echte, christliche Liebe nimmt dies wahr, bevor jemand als Bittender kommt. Und dann gibt der dienende Christ gerne von geistlichen und natürlichen Gütern und tut dem Nächsten Gutes (Römer 13,10).

Im Monat September sind die Gottesdienste am Sonntag von der Themenreihe „Christsein im Alltag“ bestimmt. Eine gelungene Fortsetzung zu den Gottesdiensten im Monat August, als es um den ‚Ausdruck des Glaubens‘ ging. Der Glaube und das daraus resultierende Christsein sollen erkennbar sein. Jederzeit. Überall. Ohne Kompromisse.

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht“, sagte einmal Albert Schweitzer, ein Philosoph und evangelischer Theologe. Christsein ist etwas für den Alltag. Ausnahmen und Ausreden gibt es keine: weder zeitlich, persönlich noch örtlich. Und das bedeutet Änderung der bisherigen Lebensweise.

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Oliver Rütten
1.09.2016
Gemeindeleben, Gottesdienst