Die wartende Jungfrau aus Nazareth

Dass Maria auf die Geburt ihres Sohnes wartete, steht außer Zweifel. Jede werdende Mutter hat besondere Gefühle innerhalb der Schwangerschaft. Und je näher der Geburtstermin rückt, desto stärker werden die Verbindungen.

Sie war die erste, die Bescheid wusste. Viele Jahrhunderte lang hatten die frommen Juden auf den Messias gewartet. Mal mehr, mal weniger erhofften sie sich Befreiung vom Übel der Zeit, Selbstbestimmtheit als Gottes Volk und den Besitz des Tempels in Jerusalem. Messias, das war vor allem der König in Israel. Und als es schließlich soweit war, dass eine uralte Verheißung in Erfüllung gehen sollte, kam der Engel Gottes nicht zu den Propheten, Königen und Priestern – er kam zu Maria. Und die lebte nicht in einem Palast am Königshof. Nazareth hieß das Dorf, in dem sie wohnte; oben im Norden des Reiches, in Galiläa, weit entfernt von Jerusalem.

Unerwartetes, Besonderes und Einmaliges geschieht immer plötzlich: Maria erfährt von ihrer Schwangerschaft, die eigentlich gar nicht möglich sein konnte. Doch ein Engel des Herrn selbst tut es ihr kund. Das muss jeden Zweifel übertrumpfen! Interessante Details:

  • Maria lebt in Nazareth, fernab vom Zentrum Israels
  • Ein Engel besucht Maria
  • Sie ist jung
  • Sie ist Jungfrau

Dieser Mix aus wundersamen Zutaten umweht die Ankündigung des Herrn! Noch vor seiner, ebenfalls mit Wundern begleiteten Geburt, geschieht hier etwas Großes, Neues und Wichtiges: Gott selbst greift in den Ablauf der Geschichte ein! Gott verändert die Welt.

Warten heißt, Gott machen lassen

Lukas erzählt das im ersten Kapitel des gleichnamigen Evangeliums so: „Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.“

Warten heißt, auf Überraschendes gefasst sein

Starker Tobak für manche Zeitgenossen – damals wie heute. Damals hegten die Menschen Misstrauen, wähnten einen Ehebruch. Heute steht den Menschen ihr Verstand im Weg angesichts solcher Erzählung. Die Jungfrauengeburt wird weitgehend abgelehnt. Dabei heißt „Warten“ auch: Sich auf Unerwartetes gefasst machen, auf Wunder hoffen, Überraschungen ertragen können! All das hat Maria gekonnt. Sie blieb gefasst, sie vertraute, sie nahm ihr Schicksal an. „Was er euch sagt, das tut!“, spricht sie später zu ihren Mitmenschen. Das konnte sie nur deshalb authentisch sagen, weil sie selbst bereit gewesen war zu tun, was Gott ihr auftrug.

Warten heißt, Gottes Werkzeug zu sein

Wen Gott als Werkzeug braucht, den rüstet er auch mit Kraft aus. Und er begleitet ihn in seiner Aufgabe. Christen sollen Werkzeug ihres Senders Jesus Christus sein und die frohe Botschaft von seiner Wiederkunft unerschrocken und gläubig verkündigen. Sie warten auf das Neue, Wichtige. Auf das Wunder.


Foto: cristina_conti - stock.adobe.com

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Peter Johanning
8.12.2018
Advent, Weihnachten