Das Friedensreich aufgeschlossen

Als „Zukunftsforscher“ betätigte sich kürzlich Stammapostel Jean-Luc Schneider. Dabei holte er das künftige Friedensreich – so formulierte es ein Mitdienender – „vom Sockel“ und „wieder in unsere Realität“.

In dem Gottesdienst am 14. November 2021 in Berlin-Charlottenburg ging es um das bekannte Bibelwort aus Offenbarung 20,6: „Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.“

Die erste Auferstehung – „das ist kein Traum, das ist einfach göttliche Realität“, betonte der Stammapostel. „Für Gott gibt es Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit nicht.“ Was kommt, ist für ihn „so sicher, als wäre es schon für uns geschehen“.

Selig, das bedeutet: „Alles, die ganzen Komponenten der Person, Leib, Seele, Geist werden in der Gemeinschaft mit Gott vollkommen zufrieden sein. Alle Bedürfnisse sind gestillt. Auf ewig glücklich und zufrieden.“ Der zweite Tod, also die Trennung von Gott, könne die Menschen nicht mehr angreifen: „Ein endgültiges Glück, das nicht mehr gefährdet sein kann.“

Heilig, das meint: „Da ist nichts Irdisches mehr, nichts Sündhaftes mehr“. Die Seele ist von göttlichem Leben erfüllt, der Geist entspricht seinem Willen, und der Körper gleicht dem Leib des Auferstandenen. Die Menschen „sind heilig, weil Gott sie geheiligt hat – Gott wirkt, aber wir müssen an uns wirken lassen.“

Heilig, das heißt auch: ausgesondert. „Heilig ist der, der zum Dienst Gottes ausgesondert ist.“ Denn: „Die Teilnahme an der ersten Auferstehung ist keine Belohnung“, sondern die Berufung zu einer besonderen Aufgabe. „Es geht darum, Christus zu verherrlichen. Das ist die Aufgabe der Priester Gottes.“

Regieren mit Christus bedeutet nicht, „kalt und lieblos durchzuregieren mit einem eisernen Stab. Sondern es bedeutet, dass wir schon jetzt und heute miteinander umgehen mögen in der Liebe.“

„Das sind keine tausend Jahre, wie wir sie rechnen. Das heißt einfach: Es wird sehr lange dauern, aber eine begrenzte Zeit. Lang, aber nicht ewig. – Es dauert lange, weil Gott den Menschen die Freiheit lässt.“

„Es ist das Reich des Friedens, sagen wir so in unserem neuapostolischen Wortschatz“, erläuterte der Stammapostel. „Das ist manchmal missverständlich.“ Friedensreich – „das heißt nicht, dass es da paradiesische Verhältnisse gibt. Das ist erst in der neuen Schöpfung, das ist viel später.“

„Es ist das Reich des Friedens, weil Jesus Christus, der Friedefürst, da sein wird auf Erden.“ Aber: „Das heißt nicht, dass jetzt alle Staatspräsidenten abgesetzt sind.“ Regentschaft Christi bedeutet vielmehr: „Es wird ganz offenbar, dass er Tod und Übel überwunden hat.“

Auch die Lebensbedingungen auf Erden ändern sich nicht: „Die Menschen werden weiterhin geboren, leiden, sterben. Die Trennung zwischen Lebenden und Toten bleibt. Die Menschen sehen nicht, was im Jenseits passiert.“

Zwar sei Satan gebunden, aber: „Das heißt nur so viel, er kann nicht verhindern, dass das Evangelium allen Menschen gepredigt wird.“ Gleichwohl: „Der Mensch bleibt Mensch. Das Böse steckt im Menschen selbst drin. Das gehört zum Menschsein.“

Der Glaube an Christus sei auch im Friedensreich der einzige Weg zur Erlösung: „Glauben ist viel mehr als nur Für-wahr-halten. Glauben heißt, sich Gott völlig hinzugeben, ihm völlig zu vertrauen.“ Das mache auch die Gegenwart Jesu nicht einfacher: „Denkt daran, als der Auferstandene zu den Jüngern kam. Es gab Jünger, die haben daran gezweifelt.“

Und wie wird das Heil vermittelt im Friedensreich? Wenn Christus selbst auf Erden wandelt, braucht es da noch Botschafter an Christi statt oder Zeichen seiner Gegenwart? Wird es noch Apostel oder Sakramente geben? „Wir wissen es nicht.“ Aber: „Eines ist sicher, das Heil wird vermittelt werden – und wir sollen dazu beitragen.“

„Darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagte der Stammapostel und nannte im Wesentlichen drei Punkte. Zum einen: „Wir müssen dafür sorgen, dass Gott an uns wirken kann.“ Zum anderen: „Wir müssen lernen, die Menschen so zu lieben, wie sie sind.“ Und schließlich: „Wir müssen an die Macht der Liebe glauben.“

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Andreas Rother
1.12.2021
Deutschland, Stammapostel, Gottesdienst