Vor dem Jordan, vor Jericho, vor scheinbar unüberwindbaren Mauern – Josua ging dennoch vorwärts. Vertrauen, Gehorsam und Beharrlichkeit, das war Josuas Geheimnis verrät Bezirksapostel Enrique Minio (Südamerika).
Als ich über das diesjährige Motto von unserem Stammapostel nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die mir schon immer gefallen hat: die Geschichte von Josua. Als Mose starb, vertraute Gott Josua die Aufgabe an, das Volk Israel zu führen – eine Aufgabe, die mit vielen Herausforderungen verbunden war.
Im ersten Kapitel des Buches Josua wiederholt Gott mehrmals: „Sei getrost und unverzagt.“ Er fordert ihn auf, sich auf die ihm anvertraute Mission zu konzentrieren (Josua 1,6), weist ihn an, das Gesetz zu befolgen (Josua 1,7) und ermahnt ihn, sich weder zu fürchten noch zu verzagen (Josua 1,9).
Josuas mutiges Handeln war nicht auf die Abwesenheit von Furcht zurückzuführen, sondern auf sein Vertrauen in Gottes Verheißungen und Hilfe, auf seinen Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen und auf seine Beharrlichkeit im Glauben – trotz der Umstände und trotz allem, was er nicht verstand. Sein Vertrauen in Gottes Verheißung gab ihm Kraft, selbst angesichts einer ummauerten Stadt und einem militärisch überlegenen Feind. Kein Hindernis konnte ihn daran hindern, seine Mission zu erfüllen.
Im Bericht über Josua erfahren wir, dass sich die Wasser des Jordans teilten, damit das Volk hindurchgehen konnte. Damit dies jedoch geschehen konnte, mussten sie zunächst Gott gehorchen. Josua und die Priester mussten zuerst das Wasser mit ihren Füßen berühren, bevor es sich teilte. Josua verstand, dass sich die Kraft Gottes in Bewegung manifestierte – darin, immer vorwärtszugehen, selbst wenn der Plan noch so absurd schien, wie das schweigende Umrunden von Jericho.
Auch wir haben heute eine Verheißung. Und Gott hält, was er verspricht. Lassen wir uns nicht von Hindernissen aufhalten, sondern vertrauen wir auf unseren Gott: Er liebt uns. Und schaffen wir Raum für seine Kraft. Er zeigt uns den Weg, und seine liebevolle Hingabe und sein Segen sind immer gegenwärtig. Zögern wir nicht, den Zeichen auf diesem Weg zu folgen. Wir finden sie in jedem Gottesdienst, in dem Gott sich durch den Heiligen Geist offenbart. Dort sagt er uns, wohin und wie wir gehen sollen.
Unser Glaube an den dreieinigen Gott ermöglicht es uns, seine Liebe zu erfahren. Sie hilft uns, weiterzumachen, auch wenn wir manchmal seinen Willen nicht verstehen. Lasst uns immer vorwärtsgehen, ohne anzuhalten. Angst wird überwunden, indem man den Weg des Glaubens geht.
Ich möchte eine Erfahrung aus meiner Kindheit erzählen: Wir lebten in einem Haus mit einem langen Flur, der abends sehr dunkel war. Wenn ich nach Hause kam, hatte ich Angst, diesen Flur alleine zu durchqueren und rief nach meiner Mutter. Sie antwortete vom Fenster aus: „Komm, ich bin hier und warte auf dich.“ Ich konnte sie nicht sehen, aber mein Vertrauen, mein Gehorsam und mein Glaube an sie waren ausreichend. Ich hörte ihre Stimme und konnte ohne Angst den Flur entlanggehen.
So spricht auch Gottes Stimme zu uns: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt …“ (Josua 1,5–6).
Foto: Frank Schuldt