Erscheinung, Épiphanie, Fiesta de revelación – im Kirchenkalender dieser Tage ein eher ungewohnter Begriff. Dahinter steckt einer der ältesten Feiertage der Christenheit.
Im Prinzip ist „Epiphanias“, so der altkirchliche Name, der Vorläufer von Weihnachten. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Erscheinung“ im Sinne einer Selbstoffenbarung. So wurde bereits um das Jahr 300 herum der 6. Januar als Geburtsfest Jesu gefeiert – vor allem in der Osthälfte des Mittelmeer-Raumes: zum Gedenken an das Erscheinen des Gottes als Mensch in der Welt.
So besingen es auch die „alten“ Gesangbücher der Neuapostolischen Kirche in Deutsch (1925), Spanisch (1986), Englisch (1925) und Französisch (vor 2015): Die Lieder mit den Nummern 62 bis 68 standen unter der Rubrik „Erscheinung“ und handeln vor allem vom Licht und Glanz, welche die Geburt des Erlösers der Menschheit bringt. „Jesus, großer Wunderstern“ heißt ein typischer Vertreter dieser Gattung.
Den Geburtstag verschoben
Doch Epiphanias hat längst starke Konkurrenz bekommt: Seit dem 5. Jahrhundert macht sich „Weihnachten“ breit. Unter dem Einfluss der römischen Westkirche setzt sich der 25. Dezember als Datum zur Feier der Geburt Jesu durch. So erfährt der ältere Festtag eine Umdeutung: Dem 6. Januar fällt nun das Gedenken an die Taufe Jesu zu. Denn mit den Geschehnissen am Jordan tritt Jesus Christus erstmals öffentlich in Erscheinung.
So kennen es auch die neuapostolischen Christen im Osten Europas – zum Beispiel in Russland: Offiziell heißt der Feiertag dort zwar Theophanie, „Gottes Erscheinungsfest“; im Volksmund wird es aber auch öfter „Taufe des Herrn“ genannt, „kreschenije Gospodne“. Da es in dieser Zeit bitterkalt ist, spricht man auch von den „Tauf-Frösten“.
Eiswasser und Geschenke
Unter orthodoxen Christen gibt es an diesem Tag besondere Traditionen: Man taucht sich dreimal in ein Wasserloch ein, dass in vereiste Flüsse geschlagen wurde. Und man füllt Eiswasser, das geweiht wurde, in Flaschen ab und nimmt es mit nach Hause. In neuapostolischen Gemeinden wird Epiphanias indes nicht besonders gefeiert. Allenfalls begegnen sich die Glaubensgeschwister an diesem Tag mit einem besonderen Gruß.
Auch wenn Griechenland ebenfalls eine starke Epiphanias-Kultur kennt: Für neuapostolische Christen dort spielt der gesetzliche Feiertag im geistlichen Sinne keine große Rolle. Ein ganz eigener Brauch hat sich in Italien entwickelt. Aus dem Begriff Epifania wurde der Name Befana. So heißt eine gutmütige Hexe, die zu den Kindern kommt wie andernorts der Nikolaus: mit Geschenken.
Was der Feiertag heute bedeutet
Im internationalen Gottesdienst-Kalender der Neuapostolischen Kirche taucht „Epiphanias“ schon seit geraumer Zeit regelmäßig auf: „Jesus Christus gibt sich auch heute zu erkennen und zeigt den Weg zum Heil“, lautete Kerngedanke von 2013. „Christus verlässt die Herrlichkeit beim Vater und wird aus Liebe zu uns wahrer Mensch“, es 2019. Und 2025 machte deutlich: „Jesus als das wahre Licht offenbart die Liebe Gottes.“
Und in diesem Jahr geht es um den Lobgesang des Propheten Simeon. Der erkennt in dem neugeborenen und schwachen Kind den Erlöser der Welt. Und das erfüllt ihn mit tiefem Frieden. So gibt das Ende der Weihnachtszeit die Gelegenheit, über das Jesuskind und seine Bedeutung heute nachzudenken.
Foto: Oliver Rütten