Weg vom Himmel, rein ins Netz

Abschied vom Satelliten, mehr Sendungen und eine Rundfunklizenz fürs offene Streaming: Die Neuapostolische Kirche stellt sich bei den Gottesdienst-Übertragungen in Europa neu auf. Auslöser dafür ist nicht zuletzt die Corona-Pandemie.

Es war eine stille Premiere, Mitte März in Frankfurt (Deutschland): Der Gottesdienst mit dem Wechsel in der Bezirksleitung wurde live in die Region übertragen. Doch vor der Kirchentür stand nicht der bekannte Regie-Truck, sondern ein (noch) neutral-weißer Kastenwagen – der erste von dreien seiner Art.

Kompakter fällt das Fahrzeug vor allem deshalb aus, weil die Kirche neue (Übertragungs-)Wege geht: Der kircheneigene Bischoff Verlag (BV) verabschiedet sich vom Satelliten und steigt auf Internet um. So hat es die Bezirksapostelversammlung Europa beschlossen. Denn dieser Weg ist günstiger und flexibler.

Einsatz auf mehreren Ebenen

Mit dem Umstieg ab Anfang 2022 lassen sich mehr Sendungen stemmen als bisher. Dazu gehören weiterhin die weltweiten oder gebietskirchenweiten Ausstrahlungen. Hinzu kommen vermehrt regionale Streams – etwa in die Gemeinden eines Kirchenbezirks.

Außerdem können sich Glaubensgeschwister so auch von Zuhause aus in Gemeinden mit eigenen Kameras einklinken. Wer keinen Computer besitzt, soll gemäß aktueller Planung passende Empfangsgeräte erwerben können.

Neue Regeln erleichtern Zugang

Die allermeisten dieser Gottesdienste sind nicht frei zu empfangen. Den geschlossenen Rahmen zieht das kircheneigene IPTV-Portal, das derzeit von 1000 auf zunächst 20.000 Nutzer ausgebaut wird. Dabei erlauben neue Regeln einen leichteren Zugang als bisher.

Den Zugriff gewährt nicht mehr die zuständige Gebietskirche, sondern die jeweilige Gemeinde in Verantwortung ihres Vorstehers. Das Angebot richtet sich laut Konzept an alle „Gemeindemitglieder, denen eine Teilnahme am Präsenzgottesdienst aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist.“

Mit der Lizenz zur Offenheit

Mit ausgewählten Gottesdiensten wollen die europäischen Gebietskirchen auch öffentlich auf Sendung gehen – und zwar regelmäßig. In welchen Abständen, das wird noch geklärt. Als Streaming-Kanal ist vorerst YouTube vorgesehen.

Dafür wird der BV eine Rundfunklizenz beantragen. Denn diese Ausstrahlungen erfüllen die rechtlichen Kriterien, die auch fürs Fernsehen gelten. Dazu gehören eine gewisse Regelmäßigkeit, Terminankündigungen, der Einsatz mehrerer Kameras und die Live-Übertragung – und das zeitgleiche Erreichen von mehr als 20.000 Nutzern.

Aus der Krise gelernt

Video-Übertragungen von Gottesdiensten kennt die Neuapostolische Kirche im kleinen Rahmen seit 1983. Der internationale Durchbruch kam an Pfingsten 1990, als 270.000 Teilnehmer in 17 Ländern per Satellit angeschlossen waren. Das Neuland Internet betraten die Sendungen 2007 – allerdings nur als Zusatzkanal. Einem Umstieg standen technische und organisatorische Hürden entgegen.

Hier hat Corona die Entwicklung massiv beschleunigt: Als die Welt in den Pandemie-Lockdown ging und Gottesdienste nach Hause übertragen werden mussten, nutzten Gebietskirchen und Gemeinden die Möglichkeiten des Internets auf breiter Front. Was da aus dem Stand und manchmal provisorisch eingerichtet wurde, bekommt nun dauerhafte Strukturen.

Was das neue Konzept für die Gebietskirchen bedeutet: Darüber informiert nak.org, die amtliche Leitseite der Neuapostolischen Kirche International.

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Andreas Rother
24.04.2021