Nächstenliebe per Nähmaschine

Der Besuch in einem Kinderhospiz ließ sie nicht mehr los. Mit ihren kreativen Fertigkeiten startete Dekorationsschneiderin Hannelore Berenz eine Spendenaktion – wie aus alten Jeanshosen ein gutes Werk wird.

Nach ihrem Arbeitstag an der Nähmaschine bei einem Raumausstatter-Betrieb eilt Hannelore Berenz nach Hause. Das Kribbeln in den Fingern, eine neue eigene Kreation umzusetzen, lässt sie alles Nötige schnell erledigen, um sich gleich in ihrem kleinen Nähatelier zu Hause der neuen Idee zu widmen.

Alle Gardinen im Haus sowie Kissen und Tischware habe sie selbst gefertigt, berichtet sie. „Seit wir Großeltern geworden sind, habe ich wieder mit dem Nähen der Kinderkleidung angefangen.“ Nach ihrem selbst genähten Lieblingsstück gefragt, nennt Hannelore Berenz ihr Brautkleid. „1977 lernte ich meinen Mann Kurt kennen und lieben und über ihn auch den neuapostolischen Glauben.“ Sie sind in der Gemeinde Neustadt an der Weinstraße (Kirchenbezirk Rheinpfalz) zu Hause.

Ein Impuls mit Folgen

Vor einigen Jahren entdeckte Hannelore Berenz auf einem Weihnachtsmarkt einen Stand, der Taschen zu Gunsten eines Kinderhospizes verkaufte. Die Idee gefiel der begeisterten Schneiderin sehr und so merkte sie sich das als Projekt für die Zukunft vor. „Ich dachte, wenn ich in Rente gehe und etwas mehr Zeit habe, könnte ich auch Taschen nähen und zum Verkauf anbieten – für den guten Zweck.“ Einige Jahre Zeit hat sie ja bis dahin …

Doch der Gedanke daran, dass der Verkauf als Spende für ein Kinderhospiz gedacht war, ließ das Ehepaar nicht los und so besuchten Hannelore und Kurt Berenz diese Einrichtung. „Wir wurden sehr herzlich begrüßt und durch die Räume geführt. Wie alles so schön und liebevoll gestaltet ist, beeindruckte uns.“ Es wurde den Eheleuten bewusst, dass ein Kinderhospiz – anders als ein Erwachsenenhospiz – in erster Linie ein Ort des Lebens und der Erholung für Familien mit schwerstkranken Kindern ist.

Dass auch Tod im Kinderhospiz präsent ist, erlebten Hannelore und Kurt Berenz. „Das Abschiedszimmer hat uns besonders bewegt, das bedrückte uns sehr. Auch eine liebevoll angelegte Mauer mit Bildern und Lieblingskuscheltieren der verstorbenen Kinder war sehr ergreifend, unsere Gedanken gingen in die jenseitige Welt, fürbittend wollten wir für die Seelen eintreten.“

Aktion stößt auf große Resonanz

Nach dem Hospizbesuch war sie nicht zu bremsen. Sie wollte nicht mehr bis zum Ruhestand warten, sondern gleich loslegen. Aus alten, getragenen Jeans und Stoffen wollte sie Taschen nähen und zu Gunsten des Kinderhospizes verkaufen. „Mein Arbeitgeber, die Glaubensgeschwister in der Gemeinde, viele Freunde und Bekannte fanden die Idee gut und haben mich mit Stoffen unterstützt.“

Drei Stunden braucht die geübte Schneiderin für die Herstellung einer Tasche. 160 Taschen hat Hannelore Berenz bis Weihnachten 2018 genäht, jede ein Unikat. „Die Glaubensgeschwister aus der Gemeinde und Freunde unterstützen mich beim Verkauf der Taschen und machen Werbung.“ Die Spendenaktion stieß auf große Resonanz – in wenigen Wochen kamen 2800 Euro zusammen, die am 28. Januar 2019 an das Kinderhospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen übergeben wurden.

Unterstützung zieht weitere Kreise

„Die Freude bei der Übergabe der Spende motiviert mich weiterzumachen“, sagt Hannelore Berenz. „Mit der Spendenaktion möchte ich aufzeigen, dass nicht alle in Deutschland gesund und glücklich sind. Insbesondere die Kinder sollten uns am Herzen liegen. Vielleicht können wir dazu beitragen, dass die Kinder noch ein paar schöne, glückliche Stunden im Kreise ihrer Familien verbringen dürfen.“

Hannelore Berenz freut sich über die aktive Unterstützung aus ihrer Gemeinde. „Mittlerweile möchten auch andere Gemeinden bei der Aktion mitmachen, Stoffe spenden und Taschen kaufen, um somit das Kinderhospiz zu unterstützen.“


Dieser Artikel ist in einer ausführlicheren Version ursprünglich in der Zeitschrift „Unsere Familie“, Ausgabe 13/2019 erschienen.

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Dinara Ganzer
3.02.2020
Soziales Engagement, Gemeindeleben