
Freundschaften sind in Sozialen Medien schnell geschlossen – oder was man so nennt. Doch das birgt Gefahren: Offene Worte zum internationalen „Safer Internet Day“ am 11. Februar.
Als sehr kommunikativer Mensch verbringe ich viel Zeit mit meinem Smartphone. Aber auch weniger gesprächigen Menschen können Soziale Medien Möglichkeiten zum Austausch mit anderen bieten.
Online-Kontaktbörsen gibt es nicht nur für diejenigen, die sich nach der großen Liebe sehnen, sondern auch für Menschen, die Gleichgesinnte suchen. Für Kinder oder auch Studenten scheint es relativ einfach zu sein, neue Freunde zu finden. Erwachsenen, die zum Beispiel in eine andere Stadt ziehen, fällt das schon schwerer. Insbesondere wenn man kein Vereinstyp ist oder am Arbeitsplatz und in der Gemeinde niemanden findet, mit dem man auf einer Wellenlänge ist, kann man sich schnell einsam fühlen.
Selbst wenn man sich aufrafft, einer Einladung zu folgen, landet man beim unverbindlichen Gespräch in der Küche wahrscheinlich nicht bei der Frage: „Wollen wir Freunde werden?“ Nutzt man dagegen eine App, bei der alle, die dort angemeldet sind, ebenfalls Freunde suchen, sind die Fronten von Anfang an geklärt und man kann gut ins Gespräch kommen. Selbst für eher exotische Hobbys und Interessengebiete gibt es im Internet Kanäle und Gruppen, in den man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann.
Geteilte Freude ist doppelte Freude
Um Kontakt zu halten, kann man auf Sozialen Medien Erlebtes mit anderen teilen. Teilt man seine Fotos oder Lieblingslieder, so ist das ein Angebot an die Mitmenschen, die selbst entscheiden können, ob sie sich alle Bilder anschauen oder nicht.
Auch Bekannte, mit denen man länger keinen Kontakt hatte, erhalten durch dieses Teilen mal wieder einen Impuls, sich unkompliziert zu melden, indem sie zum Foto oder Lied einen Kommentar abgeben. Selbst wenn man nicht sofort antwortet, bleibt man so auf dem Laufenden und kann beim nächsten Aufeinandertreffen in der analogen Welt auf die Erlebnisse des anderen eingehen.
Wer viel teilt, kann auch viel verlieren
Teilen ist jedoch nicht immer gut: Wenn man zum Beispiel von fremden, scheinbar netten Leuten angeschrieben wird, kann es sein, dass es sich um Betrüger handelt, die falsche Profile erstellen, um so Daten oder Fotos anderer Menschen zu erhalten, die sie dann in einen falschen Kontext setzen und ihre Opfer damit erpressen.
Doch nicht nur solche falschen Freunde können Leid verursachen. Jonathan Haidt, Professor für Sozialpsychologie, hat festgestellt, dass seit dem Jahr 2011 Angststörungen, Depressionen, Selbstverstümmelung und Suizid unter Studierenden gestiegen seien. Betrachtet man die perfekten Fotos der Bekannten, geschieht es schnell, dass man sich damit vergleicht. Immer weiter perfektionierte Filtereinstellungen ermöglichen, dass jede und jeder aussieht, als hätte eine professionelle Visagistin sie oder ihn hergerichtet-
Da wird das eigene Spiegelbild schnell zum Feind. Zwar gibt es inzwischen Aufklärungskampagnen, die sich gegen diese Weichzeichner einsetzen und Menschen ermutigen, ihre natürliche Schönheit online zu zeigen, doch bleibt es nicht bei Äußerlichkeiten.
Nicht jeder Filter ist sichtbar
Auch Menschen, die keine Hochglanzfotos zeigen, können nirgends so leicht eine perfekte Fassade gegenüber ihren Freunden und Kollegen aufbauen wie in den Sozialen Medien. Sieht man, wie andere ständig Fotos von der glücklichen Familie veröffentlichen oder wie sie eine aufregende Aktion nach der anderen unternehmen, fühlt man sich schnell unter Druck gesetzt: „Warum haben alle so eine perfekte Familie?“, oder: „Wie können sie nur so viel Energie haben, während ich nach der Arbeit nur noch essen und ins Bett will?“
Deswegen muss man sich manchmal daran erinnern: Fotos sind bewusst ausgewählte Momentaufnahmen, die kaum etwas über den riesigen Raum zwischen diesen Momenten aussagen. Anstatt diese Inhalte als Wahrheit und Maßstab zu nehmen, kann ich mich lieber freuen, dass meine Freunde mich an ihren glücklichen Augenblicken teilhaben lassen.
Wem ich immer folge
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Trotzdem wird es mir auch in Zukunft bestimmt nicht immer gelingen, einen gesunden Umgang mit Sozialen Medien zu pflegen. Sicherlich wird es weiterhin Situationen geben, in denen ich mein Smartphone gern ganz weit weglegen würde, weil schlechte Nachrichten oder Berichte über Konflikte mich zu erdrücken scheinen. Gerade deswegen möchte ich eins niemals vergessen: Es gibt jemanden, dem ich für immer folgen will, weil sein Einfluss auf mich ausschließlich gut ist, seine Inhalte pure Wahrheit sind und er mich niemals aus seiner Freundeliste schmeißen wird, auch wenn ich mich im Leben mal verklicke – Jesus.
Der Safer Internet Day (Tag für Internetsicherheit) ist ein von der Europäischen Union initiierter Aktionstag, der seit 2004 jährlich stattfindet. Mittlerweile beteiligen sich Organisationen in 180 Ländern.
Dieser Beitrag ist ursprünglich im Kirchenmagazin „neuapostolisch“, Ausgabe 02/2024, erschienen.
Foto: Joao – stock.adobe.com