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Heute ist (d)ein Glückstag

20 03 2025

Author: Peter Johanning

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„Masel tov! – Viel Glück“ rufen, die Hochzeitsgäste, nachdem der Bräutigam mit seinem rechten Fuß ein Glas zertreten hat: Die Feier kann beginnen – Gedanken zum Weltglückstag.

Scherben bringen Glück, sagt der Volksmund. Warum eigentlich? Der jüdische Hochzeitsritus lässt es erahnen: weil alles menschliche Schaffen zerbrechlich ist. Der „gute Tropfen von oben“ – so die gängige Interpretation von „Mazel tov“ – braucht kein Weinglas! Wohin Gott seinen Segen ergießt, gibt es keine Horizonte.

Die theologische Relevanz von Glück ist in Ansätzen erkennbar, je nachdem, wie man den Begriff versteht oder ihn mit anderen Begriffen in Verbindung bringt. „Glück“ hat mit einem gelingenden Ausgang zu tun. Nicht mehr bloß „Schicksal“, sondern Erfolg (Fortune). Das englische „happiness“ kommt vom altnordischen „hap“: willkommener Zufall, Geschick. Wenn etwas gelingt, ist der Mensch glücklich.

Glücklich sind …

Woanders zerbrechen die Menschen Porzellan vor einer Hochzeit. Aber geht es eigentlich auch ohne Scherben? Warum muss erst etwas kaputtgehen, um „ganz“ zu sein? Warum spricht man vom Glück im Unglück? Für einen gläubigen Menschen kommt Gott dabei ins Spiel. Sie attackieren ihn, wenn ein Vorhaben nicht gelingt, sie geben ihm die Schuld, wenn das eigene Schicksal seine dunklen Schatten wirft. Dabei ist doch Gott ein Gott des Glücks, des gelingenden Endes. Die Seligpreisungen aus Matthäus 5 sprechen zur Sache.

Diese Zitate beschreiben Stationen wie auf einem Pilgerweg und sind Prozesse eines gelingenden Lebens. Im griechischen Text steht „makarios“, also „glücklich“. Die Seligpreisungen sagen uns: Wir, die Menschen, erfahren die Solidarität Gottes und leben in, mit und durch seine Gerechtigkeit. Ein neues Lebensgefühl erobert die Vorstellung vom Reich Gottes – eine Umwertung: Er – mein Gott – ist gegenwärtig, unabhängig von den momentanen Lebensumständen und ausgerichtet auf ewiges Heil. Nicht der strafende Gott ist schuld am Misserfolg, sondern der liebende Gott ist Retter aus dem Unglück – Unheil. Er ist der transzendente Hinterausgang in meiner Wirklichkeit.

Denke nach vorn …

Glück aus theologischer Perspektive wird man daher immer auch als Transzendenzerfahrung, als Grenzüberschreitung beschreiben. In unglücklichen Momenten leuchtet ein anderer, die eigene Wirklichkeit überbietender Horizont auf. Das freilich gilt es zu glauben, wenngleich auch Psychologen klarstellen, dass Glaube glücklich macht. Und mehr noch: Der Gottesdienstbesuch macht glücklich, weil die Gegenwart Gottes gespürt wird. Der Lobpreis, das Gebet, das Singen frommer Lieder, das Sich-verlassen-Können auf die Gnade des Herrn im Abendmahl – Glücksbringer im christlichen Alltag.

Ratgeber des Glücks

Sei dankbar (Beispiel: „Nun danket alle Gott“) – erhalte deinen Optimismus (Beispiel: „Optimismus ist der Wille zur Zukunft“, Dietrich Bonhoeffer) – vergleiche deine Situation nicht mit der von anderen (Beispiel: „Die Arbeiter im Weinberg“, Matthäus 20,1–16) – übe dich in sozialen Beziehungen (Beispiel: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, Matthäus 22,39) – lerne zu vergeben (Beispiel: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“, Matthäus 6,12) – genieße die Freuden des Lebens (Beispiel: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“, Matthäus 6,26).

Dies ist kein Kochbuch für das Glücklichsein. Es sind in der Bibel angelegte Tipps für ein gelingendes Leben in der Nachfolge Jesu. Gerade in unserer momentan so stark herausfordernden Welt von Hektik und Stress bietet uns unser Glaube so viel (!) Trost in allen Bedrohungen und Rückschlägen; wir müssen unser Glück nicht in Frage stellen. Unser Glück im Unglück ist die Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung. In diesem Sinn: „Masel tov!“

Zum Weltglückstag

Die UNO ruft jeweils am 20. März eines Jahres den Internationalen Tag des Glücks aus, der insbesondere für aktionsbasierte Programme genutzt werden soll, die zu einem höheren Grad an Verbundenheit und Bildung führen. Das Streben nach Glück sei kein banales Thema, sondern ein ernst zu nehmendes Leitmotiv und soll daran erinnern, welche Bedeutung Glück und Wohlergehen als Ziel im Leben von Menschen hat. 

Nach dem World Happiness Report leben die glücklichsten Menschen der Welt übrigens in Finnland. Warum? Laut Glücksreport hängt das eng mit den verlässlichen und umfangreichen Sozialleistungen, einer geringen Korruptionsrate und einer gut funktionierenden Demokratie zusammen.


Foto: S_Chatcharin – stock.adobe.com

20 03 2025

Author: Peter Johanning

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