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Sprache, die Mutter des Verstehens?

21 02 2025

Author: Peter Johanning

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Rund 7000 Sprachen gibt es weltweit – und trotzdem verstehen sich die Menschen nicht! Woran liegt das? Auch wenn Menschen mehrere Sprachen sprechen können, heißt das noch lange nicht, dass sie sich einander verstehen können. Sprache ist mehr als sprechen lernen – viel mehr. Der Internationale Tag der Muttersprache will nicht nur linguistisches Wissen weitertragen, sondern auch die Zusammengehörigkeit unter den Menschen propagieren. Die UNESCO bewirbt ihren weltweiten Gedenktag jeweils am 21. Februar eines Jahres und verweist darauf, dass alle zwei Wochen eine Sprache verloren geht und mit ihr auch Kultur, Tradition, Wissen. Denn jede Sprache spiegelt eine besondere Sicht auf die Welt. 

Schnee ist nicht gleich Schnee

Das merken besonders die Menschen deutlich, die eine Fremdsprache lernen. Andere Länder, andere Sitten. Fremde Sprachen haben nicht nur andere Vokabeln und Begriffe, sondern auch andere Bedeutungen hinter den Wörtern. Während die Mittel- und Südeuropäer meist nur von „Schnee“ sprechen, unterscheiden zum Beispiel die Menschen in Schweden ungefähr 50 verschiedene Wörter für „Schnee“. Sprache ist auch motivgebunden: Ist es der Schnee, der eine Lawine auslösen kann oder der Schnee, mit dem man ein Iglu bauen kann?

lingua materna

Sprache beschreibt die Umwelt, die der Sprechende zuvor entdeckt haben muss. Und weil das bereits vor der Geburt ansetzt und in den ersten Lebensjahren häufig von der Mutter des Kleinkindes ausgeht, spricht man allgemein von einer Muttersprache – ohne zu übersehen, dass es natürlich nicht immer die leibliche Mutter, sondern auch eine nahe Bezugsperson sein kann. Der Begriff Muttersprache stammt aus dem frühen Mittelalter und tritt zuerst auf Latein als „lingua materna“ auf. Die Wissenschaft spricht von der Erstsprache – sie lernt ein Mensch beim Aufwachsen als erstes – und von der Herkunftssprache: sie wird innerhalb der Familie gesprochen, ohne zugleich die allgemeine Sprache der Umgebung zu sein.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Einige Wörter aus dem Bibel-ABC scheinen allgemeingültig. Doch so unterschiedlich „Schnee“ verstanden wird, werden auch bekannte christliche Begriffe unterschiedlich verstanden: Ewigkeit, Seele, Gott – die Interpretationen gehen auseinander.

Glaube

Wie viele Glaubensrichtungen gibt es eigentlich? Etliche Weltreligionen stehen in Konkurrenz und es gibt weitere zig Naturreligionen. Das Christentum ist die größte Glaubensfamilie, wobei „Familie“ weit gedacht werden muss. Nicht alle zwei Milliarden Christen weltweit glauben dasselbe. Nicht einmal das, was Christen eigentlich auszeichnen und von anderen Weltreligionen unterscheiden sollte, wird mehr unangefochten geglaubt: Dass nämlich Jesus Christus der Sohn Gottes ist – wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. Also selbst das „credo“ (ich glaube) ist so unterschiedlich wie es Glaubende gibt.

Liebe

Liebe ist ein schwieriger Begriff geworden, so scheint es. Selbst der biblische Hintergrund ist in weite Ferne gerückt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,35). Jesus Christus, wenn man denn überhaupt an ihn glaubt, besteht auf der Erfüllung des Doppelgebotes von Gottliebe und Nächstenliebe! Und wo ist die Nächstenliebe geblieben? So wie kleine Sprachen allmählich verschwinden, geht auch diese Sprache der Liebe langsam verloren. Den Nächsten/Anderen/Fremden zu lieben, wie sich selbst, ist eines der Gebote, die ständig übertreten werden. 

Hoffnung

Und wie sieht es mit der Hoffnung aus, die ja bekanntlich zuletzt stirbt? Sie setzt Augen für das Unsichtbare, Undenkbare voraus: „Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?“ (Römer 8,24). Ein bisschen mehr „Realitätsferne“ – im wohlverstandenen Sinn – darf man sich als Christ also ruhig erhalten.

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Foto: NKCoolper – stock.adobe.com

21 02 2025

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