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faith.today

Die Erste des Lebens

19 01 2026

Author: Sophie Berg

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Verführt, vertrieben, verrufen und dennoch der Ursprung allen Lebens: Hier stellt sich eine Frau vor, deren Entscheidung alles, aber wirklich alles für alle verändert.

Ich bin Gottes Ebenbild. Zumindest die eine Hälfte davon. Denn wir wurden gemeinsam geschaffen – als Mann und Frau, und in dieser Weise zum Bilde Gottes. So steht es gleich doppelt im Tätigkeitsbericht.

Ich bin die Männin. Gebaut aus der Rippe eines Menschen, dem angeblich ersten Menschen überhaupt. So erzählt es der andere Tätigkeitsbericht. Dafür wurde der Mann sogar in Tiefschlaf geschickt, um die Rippe auszubauen.

Ich bin die Zweite. So wollen es manchen Mythen.Die erste soll Lilit gewesen sein. Die einen sagen, es gab einen Streit und sie floh. Die anderen sagen, sie war widerspenstig und wurde Dämonin. Solche Gerüchte gibt es nur, weil manche es nicht verstehen können, dass es zwei Geschichten gibt von der Erschaffung des Menschen.

Ich bin die Verführte. Ein Tier sprach mich an. Eine Schlange. Sie wollte, dass ich in unserem Garten zu einem bestimmten Baum gehe und dessen Frucht esse. Das war strengstens verboten. Es schien so verlockend, was sie mir sagte: Ich würde nicht sterben. Ich würde wissen was gut und böse ist. Ich würde sein wie Gott. Ich wollte die Früchte nicht mehr nur ansehen. Dann biss ich hinein.

Ich bin die Vertriebene. Die Früchte zu probieren war eine schlechte Idee. Mein Mann aß auch davon und uns wurde ganz anders zu Mute. Scham erfüllte uns. Gott wusste, was wir getan hatten. Es gab einen Bruch zwischen uns. Wir mussten unser Zuhause verlassen. Wir konnten nie mehr dorthin zurück. Der Eingang wird von „Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert“ bewacht.

Mein Mann musste fortan hart auf dem Acker schuften. Und ich konnte Kinder nur unter großen Schmerzen bekommen.

Ich bin die Verrufene. Angeblich nur als Nummer zwei geschaffen und von der Schlange beschwatzen, hängt mir kein guter Ruf an. Ich sei untergeordnet meinem Mann gegenüber und anfälliger für die Sünde als er. Ich sei die Ursünderin, erotische Verführerin, das Einfallstor des Bösen. Und unter diesem Ruf mussten alle Frauen leiden.

Ich bin die Hilfe. Adam war sehr einsam. Gott erschuf viele Tiere und ließ sie durch meinen Mann benennen. Doch er fand darunter kein Gegenüber, dass ihm entsprach. Daher wurde ich ihm an die Seite gestellt, als Hilfe, die ihm entsprach. Daraus haben manche die Gehilfin gemacht. Aber Hilfe heißt hier doch nur „Gottes helfendes Eingreifen“.

Ich bin Leben. Denn ich bin nicht nur die Mutter meiner drei Söhne Kain, Abel und Set, sondern „die Mutter aller die da leben.“ Denn mein Name bedeutet „Leben“.

Ich heiße ḥawwāh. Später nennt man mich Eva.


Foto: salep – stock.adobe.com

19 01 2026

Author: Sophie Berg

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