Er hört zu. Er lebt, was er glaubt. Und er spricht die Sprache der Liebe. Nach 40 Jahren im geistlichen Amt geht Bezirksapostel Minio (Südamerika) am Sonntag in den Ruhestand.
„Allzeit bereit“ – diese Haltung lernte Bezirksapostel Enrique Eduardo Minio im Alter von acht Jahren bei den Pfadfindern kennen: hilfsbereit sein, sich für andere einsetzten, gute Taten vollbringen. Ein Wunsch, der ihn seither begleitet. Was er noch nicht wusste, wie sehr er diesen Wunsch tatsächlich leben kann.
Vom Suchen zum Finden
Im August 1960 erblickte Enrique als jüngster Minio-Spross in Argentinien das Licht der Welt. Er und seine beiden Schwestern wuchsen in einem christlichen Elternhaus auf. „Ich erlebte eine sehr glückliche Kindheit.“
Die Neuapostolische Kirche kannte er bereits durch zwei Spielkameraden. Doch den Weg in die Gottesdienste fand er erst im Alter von 23 Jahren. Anlass dafür: Er und seine Zukünftige, Esther, suchten den Segen Gottes für ihre Ehe.
Ein Mann wie Enrique Minio setzt sich gründlich mit den Dingen auseinander, bevor er sich eine Meinung bildet und eine Entscheidung trifft. „Er betrachtet alles aus verschiedenen Blickwinkeln, analysiert jede Situation und alle möglichen Variablen“, berichtet sein Nachfolger Herman Ernst (Südamerika). Kirchlich ging es dann recht schnell: 1983 Aufnahme, 1984 Hochzeitssegen und Versiegelung, 1985 das erste Amt als Unterdiakon.
Christus im Mittelpunkt
Der gelernte Elektroingenieur, studierte Betriebswirt und Lehrer wurde schließlich auch noch „Architekt des Werkes Gottes“. So drückte sich Stammapostel Jean-Luc Schneider bei der Beauftragung Minios zum Bezirksapostel 2015 für Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay aus.
Seinen Anspruch an die neue Aufgabe formulierte Minio so: „Jede Entscheidung an der Lehre Jesu Christi und der Verheißung seiner Wiederkunft messen, die Einheit der Amtsträger und der anvertrauten Seelen bewahren und dabei immer die Sprache der Liebe sprechen.“
„Seit vielen Jahren versucht er, Sprachen zu lernen“, berichtet Bischof Berardo, ein langjähriger Wegbegleiter. „Sein Ziel ist es, sich anzunähern, zu verstehen, zu lernen und diese Erfahrungen weiterzugeben.“ Und so erlernte er als neuer Bezirksapostel auch noch die internationale Sprache der Kirche: Englisch.
Für andere da sein
Sich annähern, das macht Minio auf seine ganz unverwechselbare Art und Weise: unaufgeregt, einfühlsam, rücksichtsvoll, zugewandt, voller Liebe, sehr aufmerksam und dabei die Unterschiede und Vielfalt der ihm anvertrauten Länder immer im Blick. Authentizität und Nahbarkeit zeichnen ihn aus. Er interessiert sich für jeden Einzelnen, nimmt sich Zeit und es gelingt ihm schnell, tiefe Bindungen aufzubauen.
Und Herman Ernst ergänzt: „Er redet wenig und hört viel zu, daher weiß sein Gegenüber oft nicht, was er denkt; doch was er zweifellos tut, ist, sich in die Lage des anderen zu versetzten, ihn so zu akzeptieren, wie er ist und sich fragen, wie er helfen kann.“
Mit der Aufgabe des Bezirksapostels bekommt Minios Wunsch zu helfen und zu dienen eine Wendung: „Was unsere Mission der Kirche beschreibt – ‚Seelsorge leisten und eine enge Gemeinschaft pflegen, in der jeder die Liebe Gottes und die Freude erlebt, ihm und andere zu dienen‘ – wurde zu einer täglichen Notwendigkeit, die den Sinn meines Lebens veränderte.“
Strukturen schaffen, Glauben stärken
Der Bezirksapostelbereich Südamerika erlebte einige Veränderungen. So meisterte Enrique Minio die Erweiterung um die Länder Brasilien und Bolivien. Zudem legt er strukturelle Rahmenbedingungen für Führung und Verwaltung fest.
Insbesondere die Seelsorge liegt ihm am Herzen. Daher besuchte er alle 700 Gemeinden in seinem Zuständigkeitsbereich. Zudem legte er einen Schwerpunkt auf die Ausbildung, Beteiligung und Einbindung der Amtsträger, Lehrkräfte sowie Brüder und Schwestern.
Bezirksapostel Minio wird von seinen Weggefährten als absolut vertrauenswürdig, klar und deutlich sowie als Mensch von hoher Integrität beschrieben: „Als Amtsträger und Mensch ist er immer derselbe.“ Äußerst intelligent, außergewöhnlich geduldig, engagiert, ehrlich, mit Organisationstalent, pünktlich, unterstützend, entschlossen. „Er lädt uns stets dazu ein, das ‚Geschenk‘ des anderen ohne Vorurteile zu entdecken.“












