Der letzte Moment im Gottesdienst: Man hört die vertrauten Worte – und dann gehen alle auseinander. Doch der Schlusssegen ist viel mehr als liturgisches Ausatmen.
Der Stammapostel hat in einem Lehrschreiben in der jüngsten community daran erinnert, wie tief die Bedeutung dieses Segens reicht. Grundlage ist 2. Korinther 13,13: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Mehr als eine fromme Formel
Auf den ersten Blick wirkt der Schlusssegen wie ein guter Wunsch zum Abschied. So, als würde der Dienstleitende der Gemeinde eine behütete Heimkehr wünschen. Doch dieser Segen ist keine menschliche Höflichkeit, sondern eine göttliche Handlung.
Die Worte werden von einem Amtsträger gesprochen, der von Gott zu diesem Dienst ausersehen ist. Damit werden sie zu einem wirksamen Segen. Gott selbst spricht zur Gemeinde und verheißt seine bleibende Nähe.
Das gilt allen, die den Segen hören – auch dem, der ihn ausspricht. Zugleich bleibt er – wie jeder Segen – nicht automatisch wirksam. Er fordert Antwort: Glauben und ein Verhalten, das sich an Gottes Willen orientiert. So ist der Schlusssegen Zuspruch und Anspruch zugleich.
Aus der Mitte der Dreieinigkeit
Der Segensspruch ist trinitarisch geprägt. Er spricht von Gott, dem Vater, von Jesus Christus und vom Heiligen Geist. Das erinnert daran, dass Gott einer ist und doch in drei Personen wirkt. Sie haben aber keine voneinander getrennten Zuständigkeiten, sondern handeln untrennbar gemeinsam. Gnade, Liebe und Gemeinschaft lassen sich deshalb nicht streng aufteilen.
Getragen trotz Unvollkommenheit
An erster Stelle steht die Gnade. Sie erinnert daran, dass das Leben im Glauben nicht auf Leistung gründet. Gott hat den Menschen erwählt, ihn zu seinem Kind gemacht und ihm Vergebung geschenkt. Mit dem Schlusssegen bekräftigt Gott diese Zusage neu.
Doch diese Zusicherung ruft auch zur Verantwortung. Wer unter der Gnade lebt, bleibt demütig – vor Gott und vor den Menschen. Er bemüht sich, als Kind Gottes zu leben und die empfangenen Gaben weiterzugeben.
Ziel und Antrieb zugleich
Bevor die Gemeinde in den Alltag entlassen wird, bekennt Gott noch einmal seine Liebe. Alles, was er tut, zielt darauf, den Menschen in die Gemeinschaft mit ihm zu führen. Er räumt Hindernisse aus dem Weg, schenkt Orientierung und gibt, was zum Heil nötig ist.
Diese Liebe sucht Antwort. Gott ruft dazu auf, in der Liebe zu handeln; seine Gebote zu halten, ihm aus Liebe zu dienen und den Nächsten mit Gottes Augen zu sehen.
Nicht allein unterwegs
Der dritte Teil des Segens öffnet den Blick für die bleibende Gegenwart Gottes. Der Heilige Geist wirkt im Herzen der Gläubigen. Er lässt Gottes Wort lebendig werden, tröstet, stärkt und weist den Weg. Gott verspricht: Ich rede weiter zu euch – durch die Predigt, durch das Gewissen, durch die leise Stimme im Innern.
Gemeinschaft mit Christus schließt auch Gemeinschaft in seinen Leiden ein. Bedrängnisse gehören zum Glaubensleben. Doch der Schlusssegen versichert: Ihr seid nicht allein. Gott hört die Gebete – und wenn Worte fehlen, tritt der Heilige Geist selbst für die Menschen ein.
Diese Gemeinschaft ist schließlich auch Gemeinschaft der Liebe. Der Geist Gottes befähigt dazu, den Nächsten anzunehmen – nicht so, wie man ihn gern hätte, sondern so, wie er ist.
Gemeinschaft, die sichtbar wird
Der Schlusssegen richtet den Blick auch auf die Kirche als Ganze. Der Heilige Geist bleibt in ihr wirksam. Nichts kann ihn daran hindern, die Brautgemeinde zur vollendeten Gemeinschaft mit Christus zu führen. Diese Zusage nimmt Angst und schenkt Zuversicht.
Und schließlich erinnert der Segen daran, dass Gemeinschaft mit Gott untrennbar mit Gemeinschaft untereinander verbunden ist. Alle Gläubigen haben denselben Geist, denselben Glauben und dieselbe Hoffnung. Sie empfangen dasselbe Wort und dasselbe Brot. Gott ruft dazu auf, Unterschiede zu überwinden und aktiv zur Einheit beizutragen.
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