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Klopfen, Kaffee, Kirche 

22 01 2026

Author: Sophie Berg

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Eine Tür, die alles veränderte: Vor gut 50 Jahren war sie der Zugang der Neuapostolischen Kirche nach Panama – in das Land, das der Stammapostel jetzt wieder besucht. 

Ein Klopfen hallt durch den Flur im zehnten und letzten Stock eines großen Wohnhauses in Panama City. Es ist für diesen Tag im Jahr 1973 seine erste Tür. Normalerweise geht Bezirksältester Lorenz Muth immer von Tür zu Tür. Gestern hat er 1500 Einladungskarten verteilt – der Erfolg: mäßig. Es kamen nur sehr wenige. Jetzt hat er einen anderen Plan. 

Im zehnten Stock öffnet ein Mann die Tür: „Was wollen Sie?“ – „Kann ich Ihr Wohnzimmer um 20 Uhr für eine religiöse Versammlung mieten?“, fragt Muth. Der Einheimische runzelt nachdenklich die Stirn: „Wer wird kommen?“ – „Ich lade Ihre Familie, Verwandten und Nachbarn ein.“ Das geht für den Mann klar, aber nicht um 20 Uhr, sondern schon um 19:30 – und nur bis 20 Uhr. 

Die Versammlung startet pünktlich und alle Anwesende hören interessiert zu. Der Bezirksälteste spricht von seinem Glauben, von der Zukunft und von dem wiederbesetzten Apostolat. Um 20:30 Uhr steht Muth auf, um die Veranstaltung zu beenden. „Was machen Sie da?“, empört sich der Hausherr. „Gemäß Ihrer Anweisung sollten wir jetzt fertig sein.“ – „Auf keinen Fall, wir trinken jetzt einen Kaffee und danach haben wir noch viele Fragen“, entgegnet der Mann. Das Wohnzimmer verlässt Muth um 00:30 Uhr. Miete muss er keine bezahlen: „Unser himmlischer Vater hat das Herz dieses Mannes auf wunderbare Weise gewendet.“ 

Ein Land, das Kontinente und Herzen verbindet 

Vor über einem halben Jahrhundert legte der spätere Apostel Muth so den Grundstein der Neuapostolischen Kirche im „Land des Überflusses von Fischen, Bäumen und Schmetterlingen“. 

Über den Ursprung und die Bedeutung des Namens Panama wurde viel spekuliert und es gibt verschiedene Theorien darüber. Die offizielle Version besagt, dass es das Land des Überflusses ist. Die ausgedehnte Küstenlandschaft, die Vielzahl der Vogelarten, die vielen Flüsse und die dichten Wälder bestätigen das. Nicht umsonst ist Panamas Mangrovenfeuchtwald der Größte in Mittelamerika. 

Panama bildet die natürliche Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Doch für das Land ist die berühmte Wasserstraße von größerer Bedeutung. Diese zieht sich einmal durch den Staat, verbindet die Karibik mit dem Pazifischen Ozean und ist wichtigste Einnahmequelle: der Panama-Kanal. Durch ihn zählt Panama zu den reichsten Ländern Lateinamerikas. 

Die kulturelle Seele Panamas 

Für viele indigene Völker war Panama stehts eine Heimat. Unter anderem für die Kuna, Emberá, Ngäbe und Wounaan, deren Gemeinschaften bis heute ihre traditionellen Lebensweisen, Sprache, Kunst und Handwerkskunst bewahrt haben. 

Die Kultur ist geprägt aus einer bunten Mischung von Tradition und Innovation, bei dem Tanz und Musik nicht zu kurz kommt: Calypso, Reggea, Salsa. Straßenfeste gehören genauso dazu wie die farbefrohen Märkte. 

Die Einheimischen, auch Panamaerinnen und Panamaer genannt, zeichnen sich besonders durch ihre Energie, Lebensfreude, Warmherzigkeit und herzliche Gastfreundschaft aus. Familie, Freunde und die Natur sind Lebensmittelpunkt. 

Wachsender Glaube 

Die Bevölkerung in Panama ist überwiegend christlich geprägt: 55 % sind evangelisch und 33,4 % römisch-katholisch. 

Die Neuapostolische Kirche entwickelte sich nach ihren Anfängen stetig weiter. Kurze Zeit nach Apostel Muths Versammlung im Wohnzimmer gab es in der Hauptstadt Panama-City bereits eine Gemeinde mit neun Mitgliedern und drei Amtsträgern. „Priester Carlos Guerrero, der als erster aus der Familie Guerrero in Bogota neuapostolisch wurde, ist dort Priester und arbeitet mit zwei Unterdiakonen zusammen“, heißt es 1977 in einem Bericht des Bezirksältesten Muth. 

Und Apostel Gottfried Schwarzer berichtete1979 von seiner Reise durch Mittelamerika: „Der Tag in Panama war ein fröhlicher und konzentrierter. Der Chor und die Gemeinde zeigen Zeichen der Reife langjähriger treuer Arbeit. Priester Carlos Guerrero und seine Familie sind eine wahre Bereicherung für Gottes Werk.“ 

Derzeit gibt es in dem Land fünf neuapostolische Gemeinden mit 13 Amtsträgern. Seit Februar 2025 ist der gebürtige Panamaer Jesús Ernesto Rangel Aguilar als Apostel in Mitteamerika tätig. Stammapostel Jean-Luc Schneider reiste zuletzt an Palmsonntag im April 2017 nach Panama. Nach neun Jahren können sich die Geschwister nun wieder auf einen Besuch des Kirchenleiters in der Hauptstadt Panama-City am Sonntag, 25. Januar 2026 freuen. 

Foto: diegograndi – stock.adobe.com

22 01 2026

Author: Sophie Berg

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