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Paulus’ Warnung: gerettet – und doch gefährdet

25 02 2026

Author: Simon Heiniger

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Stammapostel Schneider legt in Lusaka den Finger auf wunde Punkte – bei jedem Christen und bei der Kirche: Wo wird der Auftrag ersetzt durch Ego, Regeln, Ruf oder regionale Abgrenzung?

„Darum, wer meint, er stehe, soll zusehen, dass er nicht falle.“ so lautete das Bibelwort aus 1. Korinther 10,12, das Stammapostel Jean-Luc Schneider als Grundlage für seine Predigt am 8. Februar 2025 in Lusaka (Sambia) wählte.

Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth in diesem Zusammenhang an Israel in der Wüste: Befreit aus Ägypten, aber das Ziel verfehlt, weil falsche Entscheidungen getroffen wurden. „Manchmal beteten sie Götzen an, manchmal vertrauten sie Gott nicht und sie rebellierten sogar gegen Gott.“ erläuterte der Stammapostel.

Er zog die Linie zu heute: „Unsere Erlösung hängt nicht von den Umständen ab, die wir durchleben “ – sondern „von unserem Willen und unsere Entscheidungen “. Taufe und Wiedergeburt aus Wasser und Geist seien kein Automatismus: „Wir alle, mich eingeschlossen, können scheitern.“

Was Fallen für Christen bedeutet

Die Predigt wird sehr konkret – mit fünf Risiken, die Glauben leise aushöhlen können:

Ewiges Leben vernachlässigen: „Wir sind so sehr mit den Dingen unseres irdischen Lebens beschäftigt, dass wir völlig vergessen, dass wir eine Seele haben und uns um sie kümmern müssen.“

Götzen anbeten – nicht auf Altären, sondern im eigenen Herzen: „Mein Ego, es dreht sich alles um mich, mich, mich – das ist das mächtigste Idol unserer Zeit. Es dreht sich alles um mich, meine Interessen, meinen Ruhm, meine Macht, meinen Ruf.“

Gott versuchen: „Wenn du mich wirklich liebst, gib mir das.“

Blindheit gegenüber der eigenen Schwachheit: „Ich nehme an jedem Gottesdienst teil, ich gebe meine Opfergaben, ich diene dem Herrn: Ich verdiene die Erlösung. Am Ende vergisst man, dass man von der Gnade abhängig ist. “

Fromm nach aussen – leer nach innen: „Ich erinnere an den Feigenbaum und das Beispiel von Jesus: Der Baum hatte viele Blätter, aber keine Früchte. Von außen betrachtet sah er schön aus, aber er trug keine Früchte. “

Aber Stammapostel Schneider ließ die Warnungen nicht in Verunsicherung enden. Er erinnerte vielmehr daran, dass Gott helfe, Versuchungen zu überwinden. Darum: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Glauben bedeute: „Vertraue seinem Wort, vertraue seinem Versprechen, vertraue seiner Liebe. Die Wahrheit ist das, was Gott sagt.“ Hierbei gelte es wachsam zu sein – und den ersten Reflex zu überwinden, Gottes Warnungen an den Nächsten weiterzureichen: „Das gepredigte Wort ist nicht für deinen Nächsten, sondern für dich!“

Wer nicht fallen will, braucht den richtigen Antrieb: Nicht Pflicht, nicht Ehrgeiz, nicht Angst – nur die Liebe trägt: „Jede andere Motivation ist nicht solide genug, wir werden scheitern. Du brauchst die Gemeinschaft der Kinder Gottes. Du kannst es nicht alleine schaffen.“

Mahnung an die Kirche

Dann wird die Predigt zur Standortbestimmung für die Kirche selbst: „Was für den Gläubigen gilt, gilt auch für die Kirche als Institution.“ Auch Apostel und Kirche können denken standhaft zu sein – und doch fallen, wenn der Auftrag verrutscht.

Der Stammapostel erinnerte zunächst an die Mission der Neuapostolischen Kirche wie sie der Katechismus klar beschreibt: zu allen Menschen hingehen, um sie das Evangelium Jesu Christi zu lehren und mit Wasser und Heiligem Geist zu taufen, Seelsorge leisten und eine herzliche Gemeinschaft pflegen, in der jeder die Liebe Gottes und die Freude erlebt, ihm und anderen zu dienen. Die Apostel haben den Auftrag, das Evangelium zu verkünden, Sakramente zu spenden und die Braut Christi vorzubereiten.
Auch ihnen gelte die Warnung Gottes: „Es gibt einige Risiken, seid vorsichtig, dass ihr nicht fallt und eure Mission nicht verfehlt.“ Im Folgenden führte Stammapostel Schneider einige Stolpersteine auf:

Fokussierung auf weltliche Dinge: Das geschehe, wenn sich die Kirche zu sehr mit weltlichen Angelegenheiten beschäftige. Die verschiedenen Aktivitäten innerhalb der Kirche dürften niemals wichtiger werden, als die eigentliche Mission: die Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi.
Götzendienst: Die Institution wird zu einem Götzen sobald siewichtiger wird als Jesus Christus. – Dies könnte geschehen, wenn Zahlen, Geld oder Ansehen als Maßstab dienen. Jedoch: „Die Reife der Braut Christi lässt sich nicht anhand von Zahlen messen; es geht um geistliche Reife. Deshalb verkünden und bekennen wir den Willen Gottes, unabhängig davon, ob es den Menschen gefällt oder nicht.“ Es gehe dabei nicht um einen Wettbewerb unter den Kirchen – nicht um Zahlen, nicht um Rankings –, sondern um Treue zum Auftrag: das Evangelium unverfälscht zu verkünden.
Vermessenheit durch Regeln: Um als eine weltweite Kirche zu funktionieren benötige es durchaus auch Regeln. „Aber wir sollten diese Regeln niemals auf die gleiche Stufe wie Gottes Regeln stellen.“ Die Gefahr bestehe, dass von Menschen gemachte Regeln dem Willen Gottes gleichgesetzt werden. Und so unterstrich der Stammapostel: „Nochmals, die Kirche braucht Regeln, um zu funktionieren, aber sie sind für die Erlösung nicht relevant.“
Blindheit für eigene Schwachheit: Als schwache Menschen, welche die Kirche gestalten, werden weltweit immer wieder Fehler gemacht. Es sei wichtig, dass diese offen angesprochen werden und mit aller Entschlossenheit gehandelt wird, um das Problem zu lösen. Wer Fehler verschweige, um der eigenen Reputation oder der der Kirche nicht zu schaden, setze damit das Ansehen höher an als den Willen Gottes – genau vor dieser Verschiebung warnte der Stammapostel. Und setzte den Maßstab: „Wir haben den Mut, solche Situationen anzusprechen. Das Gesetz Gottes ist für uns wichtiger als unser Ruf.“
Spaltung in kleine Königreiche: Vielfalt ist gut und gewollt – doch Unterschiede dürften niemals trennen. Der Stammapostel beschrieb eine Haltung, der er immer wieder begegne, wenn regionale Eigenheiten überbetont werden. Die Sache an sich sei oft gar nicht dramatisch; problematisch sei die Denkweise dahinter: Wenn der Impuls, sich abzugrenzen und Unterschiede zu betonen, grösser werde als der Wille, das Gemeinsame zu pflegen – dann gerate die Einheit in Christus in Gefahr.

Deshalb sei es so wichtig eins zu bleiben. In allen Versuchungen spricht Jesus Mut zu: „Ich weiß, dass du versucht wirst, aber: Fürchte dich nicht, glaube nur.“

25 02 2026

Author: Simon Heiniger

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