Gott ruft Menschen trotz ihrer Grenzen. Nicht verzagen und dem Herrn vertrauen, das rät Bezirksapostelhelfer Herman Ernst (Südamerika), denn Gottes Berufung ist stärker als die Angst.
„Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr“ (Jeremia 1,8). Als Gott Jeremia beruft, um ihm eine Mission anzuvertrauen, analysiert der junge Mann seine Möglichkeiten. Er antwortet angesichts seiner eigenen Grenzen mit dem Hinweis auf seine Unerfahrenheit und seine fehlenden Gaben (Vers 6). Daraufhin macht Gott ihm Mut und versichert ihm, dass er auf die Kraft seiner Sendung, seine Begleitung und seinen Schutz zählen könne (Verse 7-8).
In vielen Gottesdiensten erinnert uns der Herr an unsere Erwählung und unsere Mission. Wir beurteilen immer wieder unsere Möglichkeiten. Und wenn wir unsere Grenzen erkennen, ist es ganz natürlich, dass in uns Unsicherheit und Angst aufkommen. Wenn wir sehen, welche Auswirkungen die Sorgen, Kämpfe und Ungerechtigkeiten auf unser Herz haben, die wir erleiden oder bei unseren Mitmenschen beobachten, erscheint es uns sehr schwierig und kompliziert, dem Herrn treu zu folgen.
Der Grundsatz, das Böse mit Gutem zu überwinden, anderen so zu begegnen, wie wir selbst behandelt werden möchten, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben, weil wir Gott über alles lieben, und danach zu streben, ein Abbild Christi zu sein, ist die große Herausforderung unseres Lebens. Dies gilt insbesondere in turbulenten Zeiten, in denen Egoismus und Oberflächlichkeit der gemeinsame Nenner in der Gesellschaft zu sein scheinen.
Gleichzeitig begegnen wir der Botschaft unserer Erwählung, mit Christus Erstlinge zu sein, was die Herausforderung mit sich bringt, die alte Lebensweise aufzugeben, uns von der Sünde abzuwenden, uns selbst zu verleugnen und Zeugen unseres Herrn in einem Umfeld zu sein, das sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen scheint. Häufig beobachten wir in unserer Umgebung und vielleicht auch an uns selbst, dass Ausreden und Opferrollen als Argumente dafür, sein Verhalten nicht zu ändern, immer mehr zur Normalität werden. Für die menschliche Begierde ist dies bequemer. Man beruft sich auf das Recht auf freien Willen und Entscheidungsfreiheit, um die Sünde und ihre Folgen herunterzuspielen. Zudem auf eine überhöhte Bewertung der eigenen Persönlichkeit, um kontraproduktive Aspekte an sich nicht zu ändern. Und zuletzt auf einen falsch verstandenen Respekt vor der Individualität jedes Menschen, um das Wertvollste, was wir besitzen, nicht zu teilen: den Glauben, der zum ewigem Leben und ewiger Herrlichkeit führt.
Unser Herr Jesus Christus jedoch, der uns so gut kennt und liebt, dass er sein Leben für uns gegeben hat, sagt uns: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Diese Worte kommen von dem, der genau weiß, mit welchen Schwierigkeiten und Einschränkungen – inneren und äußeren – wir konfrontiert sind, um seinem Willen zu folgen. Diese Gewissheit ist Trost, Quelle der Ermutigung und des Mutes. Sie gibt uns den nötigen Mut, um auf das Ziel unseres Glaubens hinzuarbeiten.
Fürchten wir uns vor niemandem und nichts, wir sind Kinder Gottes! Auserwählt durch Gnade, Erben des Reiches Gottes. Erinnern wir uns daran, wie Petrus auf dem Wasser ging und Angst bekam. Er wandte sich an den Herrn und bat um Hilfe; er versuchte nicht zu schwimmen, sondern glaubte nur an die Kraft des Herrn und erlebte seine Hilfe, die ihm das Leben rettete. Und wir?
Foto: INA América del Sur