Er stellt das Bindeglied bei der Wiedervereinigung der beiden neuapostolischen Schwesterkirchen in Indonesien dar: Vor 50 Jahren starb Apostel Martasudarma.
Die Vorgeschichte beginnt mit Frederik Lodewijk Anthing, einem erfolgreichen Missionar mit europäischen Wurzeln. Er arbeitete zunächst mit Missionsgesellschaften reformierter Konfessionen zusammen, machte sich dann selbstständig und konvertierte schließlich 1879 zum apostolischen Bekenntnis.
Kurz drauf wurde er zum Apostel ordiniert. 1883 starb Anthing bei einem Unfall. Viele seiner Anhänger kehrten zu den reformierten Gemeinden zurück. Es verblieben Menschen mit chinesischem oder europäischem Hintergrund, zumeist in den Großstädten. Das ist der eine Zweig der Neuapostolischen Kirche in Indonesien.
Missionar mit ganz eigenen Methoden
Unterdessen lag ein noch erfolgreicherer Missionar wegen seiner unorthodoxen Methoden ebenfalls im Clinch mit den Missionsgesellschaften. Sadrach Soeropranoto ging so stark auf die meist islamische Kultur vor Ort ein, dass er auch Kirchen im Stile von Moscheen bauen ließ. 1899 wandte er sich zusammen mit vielen seiner Anhänger dem apostolischen Glauben zu.
Bis zu seinem 96. Lebensjahr wirkte er als Apostel. Nach seinem Tod zerfiel die Gemeinschaft in mehrere Gruppen, zum Teil apostolischer, zum Teil reformierter Ausrichtung. Selbst die Hauptgruppe – Einheimische aus dem ländlichen Raum – machte sich irgendwann selbstständig. So entstand der andere Zweig. Doch das hatte viel mit Weltgeschichte zu tun.
In den Wirren des Weltkrieges
Der Zweite Weltkrieg tobt. Die japanische Armee erobert Niederländisch-Indien. 1943 befreit sich Indonesien von 350 Jahren Kolonialherrschaft. Der zuständige Apostel Gradus Faassen gerät ins Internierungslager – weil er Niederländer ist. Am Ende muss er in die Heimat fliehen.
Der Apostel vertraut seine Gemeinde einem Bezirksältesten an, der später einmal Bezirksapostel werden wird: Hendra Tansahsami, ursprünglicher Name Tan Bian Sing. Und Faassen bittet ihn, nach den Sadrach-Gemeinden zu suchen, zu denen jeder Kontakt abgebrochen ist.
Allein auf eigenen Wegen
Diese Gruppe wird von Bischof Raden Markam Martasudarma geleitet. Im Juli 1900 als Kind sehr armer Eltern geboren, war er bei seinen Großeltern und schließlich im Haushalt von Apostel Sadrach aufgewachsen. 1934 wurde er zum Bezirksältesten gesetzt, sein erstes geistliches Amt, und 1940 zum Bischof berufen – jeweils noch durch Apostel Faassen.
Aber in den Wirren des Zweiten Weltkriegs und des Unabhängigkeitskrieges kann Martasudarma weder die Schwesterkirche in Indonesien noch die Mutterkirche in Europa erreichen. Manche seiner Mitstreiter wollen das apostolische Erbe aufgeben, der Bischof will es stärken. Er gründet die „Vereinigung apostolischer Christen im Stamm Sebulon“, lässt sich zum Apostel wählen und schließlich zum Stammapostel ausrufen.
Und am Ende finden sie sich
Und dann gibt es doch Kontakt in die Niederlande, zur „Apostolisch Genootschap“, die sich 1947 von der Neuapostolischen Kirche getrennt hatte. Der Stamm Sebulon will über einen Anschluss sprechen. Bezirksältester Tansahsami bekommt Wind von dem Treffen, kommt dazu und kann Martasudarma gerade noch abhalten. Eine Wiedervereinigung der indonesischen Schwesterkirchen bringt das aber noch nicht.
1951 wird der chinesisch-stämmige Tansahsami zum Bezirksapostel ausgesondert. Zum Missfallen der Sebulon-Mitglieder. Die Gruppe aus Einheimischen hätte gerne einen Einheimischen in dieser Funktion gesehen. Mit Kasam Redjapawira ordiniert Stammapostel Bischoff 1952 einen der ehemals ihren zum Apostel. 1956 schließt sich der Stamm Sebulon der Neuapostolischen Kirche an.
Noch im gleichen Jahr empfängt der zunächst als Bischof bestätigte Martasudarma das Apostelamt. 1965 geht er in den Ruhestand. Apostel Raden Markam Martasudarma stirbt am 14. Februar 1976.
Im Bild (von links): Apostel Sadrach, Apostel Martasudarma und Bezirksapostel Tansahsami (Montage: Andreas Rother)