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Homiletik (12): Die Fäden zusammenführen 

12 02 2026

Author: Dr. Markus Cromhout

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Das Ziel und die zentrale Botschaft der Predigt sind klar, das Bibelwort und die Bedürfnisse der Gemeinde sind betrachtet. Nun ist es an der Zeit, die Predigt selbst zu gestalten. 

Der Name sagt es schon. Die Leitgedanken zum Gottesdienst dienen der Vorbereitung auf die Predigt. Zum Zeitpunkt der Ordination empfangen Geistliche vom Apostelamt die “Vollmacht, Segnung und Heiligung” für ihren Dienst. Diese Gaben entfalten nun ihre volle Wirkung, denn das Geschriebene muss nun angeeignet und in eine vom Heiligen Geist inspirierte Predigt umgesetzt werden, die auf die konkreten Bedürfnisse der Gemeinde eingeht. 

Die Kernpunkte der Predigt

Zentral für jede Predigt sind ihre Kernpunkte. In ihnen wir die eigentliche Botschaft der Predigt vertieft und konkret entfaltet. Hier werden jene Punkte des Leitgedankenbeitrags ausgewählt, die notwendig sind oder direkt auf die Bedürfnisse der Gemeinde eingehen. (Es ist nicht erforderlich jeden Absatz oder Aufzählungspunkt ausführlich zu behandeln.) Entscheidend ist vielmehr, dem Heiligen Geist Raum zu geben, damit er Gedanken wecken kann. Dazu gehören Gebet, das Lesen des Katechismus und eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Bibelwort.

Hilfreich ist auch, sich bewusst zu machen, dass die Geschwister keine komplizierten Predigten mit vielen Einzelpunkten hören wollen. Was die Gemeinde braucht, sind einfache Predigten, die tiefe Wahrheiten vermitteln. Deshalb sollte der Prediger seine Kernpunkte auf ein Minimum beschränken. Die entscheidende Frage lautet dabei: Bauen die einzelnen Punkte aufeinander auf und führen sie klar zum Ziel der Predigt?

Altes vs. Neues

Matthäus, selbst ein Schriftgelehrter, sagt:  “Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt” (Matthäus 13,52). Dieses Wort gilt auch für die Diener des Wortes.

Unsere Predigten sind in unserer Theologie verwurzelt. Deshalb haben traditionelle Sprache und theologische Begriffe ihren Platz: sie schaffen Kontinuität, geben Orientierung und stärken die Identität der Gemeinschaft. Schließlich ist es die Lehre der Apostel, die gepredigt werden muss. 

Gleichzeitig darf und muss es Neues in der Verkündigung geben. “Neues” bedeutet, neue Einsichten und Erkenntnisse oder die Erklärung bekannter Inhalte auf eine neue und herausfordernde Weise. So wird das Evangelium zeitgemäß verkündigt und auf die konkreten Lebensumstände der heutigen Gemeinde angewandt. 

Dazu gehört auch, dass wir uns regelmäßig mit unserer kirchlichen Literatur beschäftigen und auf dem Laufenden bleiben: Welche Gedanken hat der Stammapostel in jüngster Zeit zur Verkündigung und zur Predigt geäußert? Welche Entwicklungen gibt es in der Lehre?  Zugleich ist darauf zu achten, überholte Begriffe, Klischees und sich ständig wiederholende Formulierungen zu vermeiden. 

Die Einleitung

Sobald die Hauptpunkte der Predigt festgelegt sind, folgt die Ausarbeitung der Einleitung. Dabei stellt sich die Frage: Gibt es eine interessante oder ansprechende Art, die Predigt zu eröffnen? Gibt es einen Aufhänger, der die Aufmerksamkeit der Gemeinde weckt? Denkbar ist etwa, mit einer Frage zu beginnen und die Antwort bewusst er im Verlauf der Predigt zu entfalten. Wie knüpft die Predigt an die vorherige an? Welche Themenreihe im laufenden Monat behandeln die Leitgedanke 

Die Einleitung ist auch ein guter Zeitpunkt, das Bibelwort kurz zu erläutern und aufzuzeigen, wie es die zentrale Botschaft trägt und beleuchtet. Häufig wird das Bibelwort nur einmal vorgelesen und dann nicht wieder aufgegriffen. Dabei bildet es die Grundlage der gesamten Predigt und sollte bei der Auslegung des Wortes immer wieder bewusst aufgegriffen werden. 

Es empfiehlt sich zudem, gleich zu Beginn die zentrale Botschaft der Predigt zu benennen. Und machen wir der Gemeinde doch von Anfang an deutlich, worum es geht. Hilfreich sind Hinweise oder eine kurze “Zielbeschreibung”. Schön ist es, wenn die Gemeinde auf diese geistliche Reise eingeladen wird: So erhalten die Geschwister eine innere “Landkarte” und können der Predigt folgen. 

Sich vom Heiligen Geist leiten lassen

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Heilige Geist bereits vor und während der Vorbereitung der Predigt – und natürlich auch während des Gottesdienstes – aktiv. Bei einer vom Heiligen Geist inspirierten Predigt geht es also nicht um eine bloße “mechanische” Vortragsweise oder eine geschliffene Rede, sondern darum, den universalen Heilswillen Gottes in Christus zu verkündigen. Sie ist kraftvoll und lebensspendend! 


Foto: Natalia – stock.adobe.com

Über den Autor

Dr. Markus Cromhout (geb. 1972) ist Theologe bei der Neuapostolischen Kirche Afrika-Süd und in seiner Gemeinde als Evangelist aktiv. Er studierte an der Theologischen Fakultät der Universität Pretoria und promovierte im Neuen Testament. Neben wissenschaftlichen Werken verfasst er auch populärwissenschaftliche Bücher. Zum Thema „Homiletik“ führte er Seminare durch und begleitet mit wöchentlichen Hintergrundbeiträgen.

12 02 2026

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