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Im Himmel gibt es keine Bonuspunkte

März 19, 2026

Author: Oliver Rütten

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Niemand erhält im Himmel mehr als andere, nur weil er ein Amt ausübt. Ewige Gemeinschaft mit Christus ist das Höchste, was ein Mensch erhalten kann, so Stammapostel Jean-Luc Schneider.

Einen Gottesdienst nur für Geistliche feierte Stammapostel Jean-Luc Schneider am Samstag, 24. Januar 2026 in der neuapostolischen Kirche Panama-Balmoral. Vor Aposteln und weiteren Amtsträgern aus dem spanischsprachigen Arbeitsbereich von Bezirksapostel Schnabel las er aus 1. Petrus 5,1–3. In diesem Bibeltext ruft Apostel Petrus die Leiter der Gemeinde auf, die Herde Gottes zu weiden – freiwillig, uneigennützig und als Vorbilder.

Der Stammapostel begann mit einem Dank an die Anwesenden. Es sei Tradition, so zu beginnen, sagte er – doch es sei mehr als nur ein Ritual. Die Apostel könnten ihren Auftrag nicht allein erfüllen. „Wir sind euch wirklich sehr dankbar für eure Hilfe, eure Gebete und eure Arbeit“, erklärte der Stammapostel. Zugleich gehe es im Gottesdienst aber auch darum, die Gedanken Gottes zu vermitteln. Christus sehe alles, auch das, was Menschen nicht sehen könnten, und wolle seine Diener und ihre Arbeit segnen.

Dienst heißt auch leiden

Der Predigttext erinnere daran, dass Jünger Christi auch an seinem Leiden Anteil hätten. Der Stammapostel beschrieb, worin dieses Leiden bestand: Jesus habe Undank erlebt, etwa als geheilte Menschen sich nicht einmal bedankten. Er sei kritisiert worden, besonders von den Pharisäern, und sogar seine eigene Familie habe ihn missverstanden. „Er verlor den Verstand. Er wurde verrückt“, hätten Angehörige über ihn gesagt. Auch Misserfolg habe Jesus erlebt. Er habe über Jerusalem geweint, weil die Menschen seine Botschaft nicht angenommen hätten. Später seien Freunde von ihm weggegangen oder hätten ihn verraten. Schließlich habe er körperlich gelitten und am Kreuz sterben müssen. Am Ende habe er sogar das Gefühl gehabt, von Gott verlassen zu sein.

Diese Erfahrungen, so Stammapostel Schneider, seien für viele Diener Gottes nicht fremd. Auch heute müssten sie mit Undankbarkeit umgehen. Häufig gelte ihr Einsatz als selbstverständlich, während Fehler sofort kritisiert würden. Manchmal fehle sogar das Verständnis in der eigenen Familie. „Ihr wisst, wovon ich rede“, ergänzte er.

Leiden – und trotzdem Hoffnung

Auch Misserfolge gehörten dazu. Trotz großer Anstrengungen wachse die Zahl der Mitglieder nicht immer. Manchmal verließen langjährige Weggefährten die Kirche, und selbst im familiären Umfeld könne der Glaube verloren gehen. All das könne schmerzen. Doch solche Erfahrungen bedeuteten nicht, dass Gott einen Diener verlassen habe. Wer Christus folge, erlebe Ähnliches wie er selbst. Entscheidend sei die Verheißung, die Petrus ebenfalls nenne: Wer an Christi Leiden teilhabe, werde auch an seiner Herrlichkeit Anteil haben.

Dabei relativierte Schneider das eigene Leid. Die Christen litten zwar, aber nicht in dem Ausmaß wie Christus. Niemand müsse ans Kreuz gehen. Trotzdem verspreche Christus, seine Herrlichkeit zu teilen. „Wenn du um Christi willen leidest, wirst du an seiner Herrlichkeit teilhaben“, so der Stammapostel.

Warum wir überhaupt dienen

Neben dem Leiden gehe es in der Nachfolge auch um die innere Haltung. Diener sollten mit derselben Gesinnung arbeiten wie Christus. Grundlage sei der Glaube an die eigene Berufung. Jesus habe gewusst, dass er vom Vater gesandt worden sei. Ebenso könnten sich die Geistlichen sicher sein, dass Christus sie berufen habe. Der Dienst geschehe nicht aus Zwang. „We serve the Lord, not because we must, but because we want“, betonte er. Wer sich gezwungen fühle, solle offen darüber sprechen. Der Dienst müsse eine freie Entscheidung sein.

Auch falsche Motive sprach der Stammapostel an. Man diene nicht wegen Geld, Ehre oder Macht. Solche Gedanken könnten dennoch entstehen, etwa wenn Anerkennung ausbleibe. Dann müsse man sich daran erinnern, dass der Dienst aus Liebe geschehe.

Im Himmel gibt es keine Bonuspunkte

Ein weiteres Missverständnis weist Schneider zurück: Niemand erhalte im Himmel mehr als andere, nur weil er ein Amt ausübe. „Mehr als das ewige Leben kann man nicht bekommen“, fasste er zusammen. Ewige Gemeinschaft mit Christus sei bereits das Höchste, was ein Mensch erhalten könne.

Manche deuteten das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden als Hinweis auf unterschiedliche Belohnungen. Doch in Wahrheit lehre es, dass Gott weit mehr gebe, als Menschen leisten könnten. Deshalb gebe es auch keine größere „Verdienstlichkeit“ eines Stammapostels gegenüber einer Schwester oder eines Bruders in der Gemeinde. Gott gebe jedem eine Aufgabe – und zugleich die Kraft, sie zu erfüllen. Daher seien Einsatz und Mühe letztlich vergleichbar.

Dienen, nicht einschüchtern

Schließlich wendete sich der Stammapostel der praktischen Ausübung des Dienstes zu. Jesus habe große Autorität besessen, aber niemanden zum Glauben gezwungen. „Wir zwingen sie nicht“, erklärte Stammapostel Schneider. Drohungen oder Druck seien nicht der Weg Christi.

Der Auftrag bestehe darin, Gottes Willen zu verkünden – das, was Menschen für ihre Erlösung wissen müssten. Persönliche Erfahrungen oder Ratschläge könnten hilfreich sein, hätten aber nicht dieselbe Autorität wie das Evangelium. Als Hirten sollten die Dienerinnen und Diener dafür sorgen, dass jede Seele das erhält, was sie für ihr Heil brauche – unabhängig davon, ob sie Zustimmung oder Kritik erfahre.

Vorbild sein: nicht perfekt, aber ehrlich

Zum Schluss richtete der Stammapostel den Blick auf die Vorbildfunktion der Diener. Vollkommenheit werde nicht erwartet. Wichtig seien Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Gerade in schwierigen Situationen könnten Diener zeigen, wie Vertrauen auf Gott praktisch gelebt werde. „Lasst uns ein Vorbild in der Liebe und in der Vergebung sein“, bat er eindringlich. Vergebung, Demut und Liebe seien entscheidend. Am Ende werde Gott nicht danach fragen, wie viele Gemeinden gegründet oder wie viele Menschen gewonnen worden seien. Entscheidend sei eine andere Frage: Ob ein Mensch das getan habe, was Gott von ihm erwartet habe. Wer seinen Willen erfülle, werde in sein Reich eingehen.

März 19, 2026

Author: Oliver Rütten

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