Website-Farbe:

church.today seasons.today

Seelsorge – Zuhören statt Antworten

Mai 22, 2026

Author: Andreas Rother

Print
Anhören

Noch ist er nicht Stammapostel. Doch bei der Bezirksapostelversammlung in Kapstadt zeigte er schon Schwerpunkte: die Seelsorge als Thema und die Fortsetzung des Teamworks als Methode.

Nicht Programme, Listen oder Kontrolle – wenn Stammapostelhelfer Helge Mutschler über Seelsorge spricht, dann geht es um ganz etwas anderes: Beziehung. Und genau dort setzt der Weg an, den die Bezirksapostelversammlung bereits betreten hat und jetzt weitergeht.

Bei der jüngsten Sitzung in Kapstadt stellte der künftige Stammapostel Ergebnisse aus einem länger laufenden Prozess vor: Erfahrungen aus Workshops, offene Fragen aus Diskussionsgruppen und erste Antworten darauf. 

Der Ausgangspunkt liegt einige Monate zurück. In Zürich hatten Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer begonnen, über Seelsorge zu sprechen: Was funktioniert? Was funktioniert nicht mehr? Wo liegen Grenzen? Und wer trägt überhaupt Verantwortung?  

Die Wirklichkeit im Blick

Nun folgte der nächste Schritt: Die Präsentation in Kapstadt beginnt nicht mit Regeln, sondern mit Lebenswirklichkeit. Menschen leben unterschiedlich – geprägt von Familie, Beruf, Gesundheit, Kultur und persönlichen Erfahrungen. Individualisierung, Zeitdruck, Migration und veränderte Lebensformen beeinflussen längst auch das kirchliche Leben. 

Die Schlussfolgerung: Seelsorge müsse diese Realität ernst nehmen. Denn trotz aller Veränderungen bleibt die Sehnsucht nach echten Begegnungen bestehen – vielleicht wächst sie sogar.  

Die Rolle neu beschrieben

Der Amtsträger sei „Begleiter und Verkündiger“, nicht Problemlöser und nicht Entscheidungsinstanz, betonte Stammapostelhelfer Mutschler. Mitglieder seien keine Objekte kirchlicher Fürsorge, sondern Menschen mit eigener Verantwortung. Gott selbst bleibe der eigentlich Handelnde. 

Daraus ergeben sich Konsequenzen. Seelsorge dürfe weder bevormunden noch manipulieren. Rat werde nicht aufgedrängt. Liebe brauche Freiheit. Und Seelsorge habe Grenzen: Sie ersetze weder Therapie noch Rechtsberatung oder soziale Arbeit.  

Im Zentrum steht ein Dreiklang: Interesse, Empathie und Authentizität. Diese Haltungen seien keine Methode, sondern Ausdruck göttlicher Liebe. Daraus folge fast zwangsläufig eine Form von Seelsorge, die auf Menschen zugeht.

Mehr als eine Sache des Amtes

Seelsorge wird breiter gedacht. Zwar bleibe die Verantwortung der priesterlichen Ämter bestehen – etwa bei Sakramenten und konkreten Zuständigkeiten. Gleichzeitig werde deutlich, dass die gegenseitige Fürsorge zum Auftrag der ganzen Gemeinde gehört: Hilfe, Gebet, Begleitung und praktische Unterstützung im Alltag.  

Die Arbeiten sind längst noch nicht abgeschlossen. Doch der weitere Fahrplan steht schon: Zunächst sollen Ergebnisse ausgewertet und zusätzliche Rückmeldungen gesammelt werden. Danach folgt die Verdichtung zu einem Positionspapier, das erneut an die Bezirksapostel geht und in der zweiten Jahreshälfte weiter beraten werden soll. 

Mai 22, 2026

Author: Andreas Rother

Print