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faith.today

Bitte alle lächeln?

Juni 1, 2026

Author: Oliver Rütten

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Keine Heiterkeitsperformance, keine billigen Durchhalteparolen: Die Gottesdienste im Juni fragen danach, worauf christliche Hoffnung wirklich gründet.

Freude auf Befehl funktioniert nicht. Das weiß jeder, der schon einmal gebeten wurde, doch bitte fröhlicher zu sein. Dass die kommenden Sonntagspredigten trotzdem unter dem Thema „Freude im Heiligen Geist“ stehen, ist keine Aufforderung zum religiösen Dauerlächeln, sondern eine Spurensuche nach dem, was christliche Freude wirklich meint – jenseits vieler Missverständnisse. Und am Ende landet man bei einer der ungewöhnlichsten und zugleich schönsten Hoffnungsbotschaften, die christliche Theologie zu bieten hat: Gottes Friedensgedanken gelten auch den Toten.

Der falsche Grund zur Freude

In der Predigt am ersten Sonntag fällt ein Satz, der schnell überlesen wird: „Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind.“ Jesus bremst seine Jünger mitten in ihrer Erfolgseuphorie – das ist der Ausgangspunkt. Die Bibelkenner wissen: Vollmacht erscheint im Neuen Testament nicht als Ehrentitel, sondern als Auftrag. Was wirklich zählt, ist nicht, was man kann oder darf, sondern wem man gehört. Daraus ergibt sich für Christen heute: Wer Sakramente empfangen hat, darf darin die Gewissheit lesen, dass sein Name – nicht sein Amt, nicht sein Eifer – im Himmel eingetragen ist (Katechismus der Neuapostolischen Kirche/KNK 4.1; Offenbarung 3,5). Wer das wirklich glaubt, hört auf, sich über seine eigene Wirksamkeit zu freuen und entdeckt: Freude entsteht aus Zugehörigkeit. Ein Unterschied, der im Alltag und in der Gemeinde spürbar wird.

Wenn Dienen Kraft kostet

Der zweite Sonntag richtet den Blick auf das Dienen – und was passiert, wenn einem die Freude dazu fehlt. Das war keine hypothetische Frage – und ist es bis heute nicht. Die Israeliten standen nach der Rückkehr aus dem Exil vor zerstörten Mauern und fehlenden Häusern, als Esra das Gesetz vorlas und das Volk zu weinen anfing. Die Botschaft war nicht: Hört doch auf zu weinen, sondern: Die Freude am Herrn ist eure Stärke (Nehemia 8,10). Entscheidend ist dabei ein Detail: Esra las das Gesetz nicht nur vor – er machte es verständlich. Für die Gläubigen heute bedeutet der Impuls, dass freudiges Dienen keine Frage der Stimmung ist, sondern des Bewusstseins: Man tut etwas Sinnvolles, für Gott (Römer 12,11). Das verändert nicht nur den Dienst, sondern auch die Wirkung auf andere. Wer die Predigt gehört hat, darf prüfen, ob der eigene Dienst von dieser Erkenntnis getragen wird – oder schon zur Routine geworden ist (KNK 6.2.3).

Hoffnung – ohne Wackeln

In der Predigt am dritten Sonntag kommt der Hebräerbrief zu Wort – ein Text, der an eine Gemeinde unter Druck geschrieben wurde. „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat“ (Hebräer 10,23). Auffällig ist, dass die Argumentation nicht über Willenskraft oder Durchhaltevermögen läuft, sondern über Gottestreue. Die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi (KNK 9.1) ist kein frommer Wunsch. Sie gründet in der Überzeugung, dass Gott hält, was er verspricht – unabhängig von den äußeren Verhältnissen. Für die Gläubigen hat das einen unmittelbaren Effekt auf die Gegenwart: Wer diese Gewissheit in sich hat, muss sich nicht von Angst oder Resignation steuern lassen. Die Predigt fragt, ob diese Hoffnung das eigene Handeln schon jetzt prägt – oder ob man sie für sonntags aufhebt.

Nicht im Mittelpunkt stehen

Der 24. Juni ist in vielen christlichen Traditionen der Johannistag – Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers, jener Persönlichkeit, die exakt an der Schwelle zwischen Altem und Neuem Bund steht. Der Wochentags-Gottesdienst greift diesen Gedenktag auf. Was an Johannes bemerkenswert ist: Er kennt seine Funktion und hält sie durch. Nicht der Mittelpunkt zu sein, sondern hinzuweisen – das ist seine Rolle, und er erfüllt sie auch dann noch, als er im Gefängnis sitzt und zweifelt. Die Frage, die sich Nachfolger und Wegbereiter Jesu Christi heute stellen können: Wie viel setzt du auf Sichtbarkeit des eigenen Glaubens – und wie viel auf das, worauf du hinweist? 

Frieden über den Tod hinaus

In der Predigt am vierten Sonntag, die auf den Gottesdienst für Entschlafene eine Woche später vorbereitet (KNK 9.4), steht Jeremia 29,11 im Zentrum: „Gedanken des Friedens und nicht des Leides.“ Geschrieben an Israeliten im Exil, Menschen ohne Heimat und ohne erkennbare Zukunft. Der Brief richtet sich gegen falsche Propheten, die schnelle Erlösung versprechen und sagt stattdessen: Gottes Plan läuft – aber in seinem Rhythmus. Diese Friedensgedanken Gottes gelten nicht nur den Lebenden, sondern auch den Toten (1. Petrus 3,18–22). Das ist die Überzeugung der neuapostolischen Christen. Vergebung, Umkehr, das Empfangen der Sakramente – das ist keine Sache, die mit dem Tod abgeschlossen ist. Wer das glaubt, betet anders für Verstorbene – nicht als rituelle Pflicht, sondern als echte Fürsprache für Menschen, die noch auf der Suche sein können. Radikal gedacht: Gottes Heilshandeln endet nicht am Grab.


Foto: fahrudin – stock.adobe.com

Juni 1, 2026

Author: Oliver Rütten

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