Sehnsucht, Ängste und Befreiung: Darum geht es in drei sehr bekannten Bitten. Und darum drehen sich die meisten Sonntagsgottesdienste in Juli.
Der Monat hat mit dem Gottesdienst für Entschlafene begonnen. Im Mittelpunkt stand dabei das Vorbild Jesu in der Zuwendung zu den Toten: Er selbst ist nach seinem Kreuzestod hinabgestiegen in das Reich des Todes, um den Entschlafenen das Evangelium zu predigen.
Die drei kommenden Sonntagsgottesdienste sind Bitten aus dem Vaterunser gewidmet.
12. Juli: Sehnsucht nach der besseren Welt
„Dein Reich komme“ – diese Bitte richtet den Blick weit nach vorn. Und zugleich mitten ins Heute. Denn das Reich Gottes ist nicht nur eine Hoffnung für die Zukunft. Mit Jesus Christus hat es bereits begonnen: Wo Menschen ihm nachfolgen, das Evangelium verkündigen und Gottes Liebe weitergeben, wird seine Herrschaft schon jetzt sichtbar.
Wer um das Kommen des Reiches Gottes betet, bittet auch um Veränderung im eigenen Leben. Ziel ist es, das eigene Leben auf die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten auszurichten. Wie weit das gelingt, zeigt sich im Alltag in den Beziehungen zu den Mitmenschen sowie im Handeln in Beruf und Gesellschaft.
19. Juli: Den Zukunftsängsten trotzen
„Unser tägliches Brot gib uns heute“ – diese Bitte aus dem Vaterunser klingt schlicht. Doch sie reicht weit über die Frage nach Nahrung hinaus. Es geht um das tägliche Auskommen – für materielle ebenso wie für geistliche Bedürfnisse.
Die Bitte erinnert daran: Alles, was wir haben, ist ein Geschenk Gottes. Sie lädt dazu ein, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, ohne sich von Zukunftsängsten beherrschen zu lassen.
Auffällig ist ein kleines Wort: Jesus lehrt nicht zu beten: „Gib mir mein tägliches Brot“, sondern: „Gib uns unser tägliches Brot.“ Wer diese Bitte spricht, übernimmt auch Verantwortung für andere. Gottes Fürsorge soll durch Menschen sichtbar werden, die teilen, helfen und füreinander da sind.
26. Juli: Freiheit durch Loslassen
„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Diese Bitte verbindet zwei Dinge: Gottes Vergebung und unsere Bereitschaft, anderen zu vergeben.
Jesus macht diesen Zusammenhang im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht deutlich. Ein Mann, dem eine unermesslich große Schuld erlassen wurde, verweigert seinem Mitmenschen den Erlass einer vergleichsweise kleinen Forderung.
Vergebung beginnt vor Gott. Wer darum bittet, erkennt die eigene Schuld, bereut sie und möchte sich neu an Jesus Christus orientieren. Das ist Ausdruck der Bereitschaft, selbst barmherzig zu handeln.
Vergeben fällt nicht immer leicht. Manches Unrecht sitzt tief und lässt sich nicht mit einem Entschluss aus der Welt schaffen. Das kann ein langer Weg sein. Dafür kann und darf man Gott um Kraft bitten.
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