Zwei Brüder, zwei Apostel, zwei Pioniere – einer vom amerikanischen Geheimdienst, der andere vom Blitz getroffen: Wilbert Vovak und Ernest Vovak feiern dieser Tage zwei runde Jubiläen.
„Junge, wir benötigen noch einen Apostel! Es gibt noch so viel Arbeit“, diese Worte von Bezirksapostel Michael Kraus (Kanada) schallen durch den Telefonhörer und richten sich an Ernest Vovak. Vor 50 Jahren, am 19. September 1976, wurde dieser durch Stammapostel Ernst Streckeisen zum Apostel ordiniert.
„Ein Apostel mit Feuereifer“, sagt Stammapostel Richard Fehr über Bezirksapostelhelfer Wilbert Vovak bei dessen Ruhesetzung vor 25 Jahren, am 16. September 2001. „Er ließ sich nie vom Elend abschrecken“, berichtet Apostel Daniel Njuguna aus Kenia, ein Weggefährte des Bezirksapostelhelfers. Er sei sogar barfuß durch überflutete Gebiete gewatete, um die wartenden Geschwister nicht zu enttäuschen.
Doch wie begann das mit den beiden Brüdern eigentlich?
Mit Missionseifer ans Werk
Wilbert wird am 5. September 1931 als viertes und Ernest am 9. April 1938 als fünftes und letztes Kind ihrer Eltern in Cleveland (Ohio, USA) geboren. Sie wachsen in einem neuapostolischen Haushalt auf. Die Mutter kam ursprünglich aus Deutschland – sie übersetzt für ihre Kinder die Inhalte der deutschen Kirchenzeitschrift „Unsere Familie“ ins Englische, liest ihnen gerne biblische Geschichten vor und lehrt sie das Beten.
Als Jugendlicher fasziniert Wilbert die priesterlichen Tätigkeiten seines Vaters sehr. Dieser setzt sich fast jeden Abend in der Woche ins Auto, um in die benachbarten Ortschaften zu fahren und Missionsarbeit zu leisten. Wilbert schließt sich ihm an, sie gehen von Haus zu Haus und mit der Zeit werden weitere Gemeinden unter anderem in Akron, Cuyahoga Falls und Kent aufgebaut.
Die Brüder werden beide Unterdiakon und bekleiden im Verlaufe der Jahre weitere kirchliche Ämter. Wilbert wird am 17. November 1974 Apostel und am 8. Juni 1986 durch Stammapostel Hans Urwyler zum Bezirksapostelhelfer berufen: „Es war das erste Mal, dass ein solcher Auftrag erteilt wurde.“ Am 19. September 1976 wird Ernest Apostel und unterstützt seinen Bruder auf dessen vielen künftigen Reisen.
Sie gründen Familien, ziehen nach Texas, um dort die kirchliche Arbeit voranzutreiben und über weitere Stationen verschlägt es sie nach Michigan. Auch in beruflicher Hinsicht kommen sie viel rum: Wilbert arbeitet bei der Küstenwache, in einer Ingenieursfirma, im Bauwesen und wird sogar vom amerikanischen Geheimdienst angeworben. Nach dreieinhalb Jahren ist dort Schluss: „Doch als mein Beruf mich in meinen kirchlichen Aktivitäten hinderte, fiel es mir leicht, meine Position aufzugeben.“
Die weite Welt ruft
Die erste Reise nach Ostafrika tritt Wilbert 1973 an. Auf der Reise fragte ihn Bezirksapostel Kraus unvermittelt: „Würdest du nach Kenia gehen?“ Er hat keine Ahnung, was ihn dort erwartet. In Kenia gibt es nur wenige Geschwister, die an verschiedenen Orten wohnen. Er nimmt die Herausforderung an und es gestalten sich abenteuerliche Zeiten: Fußmärsche durch Schlamm, ein im Graben liegender Jeep, überflutete Straßen, Gottesdienste auf Bergen, Hügeln und unter Bäumen, 20 Stunden Arbeitssonntage mit bis zu fünf Gottesdiensten sowie 700 Dollar Übergewicht beim Gepäck am Flughafen, wegen des mitgeführten Kirchenguts für Kenia.
Trotz aller Widrigkeiten, entwickelt sich die junge Kirche schnell. „Geistlich gesehen kann man sagen, dass sich in Kenia Träume verwirklichen“, heißt es in einem Bericht vom April 1976. Eine Kirchenverwaltung in der Hauptstadt Embu entsteht sowie eine Kirche mit 1500 Sitzplätzen, weitere Gemeinden werden gegründet. Bezirksapostelhelfer Wilbert Vovak ist bis zu seiner Ruhesetzung 112-mal über den großen Teich nach Ostafrika geflogen, hat knapp 1200 Gottesdienste mit Heiliger Versiegelung gehalten sowie rund 62000 Männer, Frauen und Kinder versiegelt.
Neben Amerika und Ostafrika gehören auch Indien und Südostasien zum Arbeitsbereich der Brüder. Besonders Apostel Ernest Vovak war in letzteren Regionen unterwegs. So soll auf einer Reise 1975 in Indien während eines Gottesdienstes plötzlich ein „Blitz durchs Fenster in den Metallstuhl“ eingeschlagen sein, auf dem er saß – ohne Folgen.
Abschied zweier Pioniere
Nach 50-jähriger Amtszeit geht Bezirksapostelhelfer W. Vovak am 16. September 2001 in den Ruhestand und verstirbt am 28. Juli 2013. Apostel E. Vovak blickt auf eine 45-jährige Amtsdauer zurück, verabschiedet sich am 5. September 2004 in den Ruhestand und stirbt am 3. Juni 2014. In ihrer Biografie heißt es: „Die Freude unserer Familie lag in dem ‚Pioniergeist‘ für die Sache des Herrn.“
Foto: Vintage New Apostolic Church Memory/Kevin Luke, Canada District News, Unsere Familie













