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Ein reicher, armer Mann

Oktober 21, 2026

Author: Simon Heiniger

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Er besitzt mehr, als er braucht. Doch das Entscheidende fehlt. Stammapostel Helge Mutschler zeigte in Oldenburg, was der reiche Kornbauer über das Himmelreich lehrt.

Ein Mensch, der viel besitzt und dem doch Entscheidendes fehlt: So betrachtete Stammapostel Helge Mutschler am 6. September 2026 in Oldenburg (Deutschland) den reichen Kornbauern. „In Gleichnissen wollte der Herr Jesus uns Menschen doch den Himmel erklären.“ Was also verrät der Mangel dieses Mannes über Gottes Reichtum? „Dieses Gleichnis ist ein Himmelsentdeckungsgleichnis“, erklärte er zu Lukas 12,16–18.

Reich beschenkt und nichts davon bemerkt

„Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen.“ Der Kornbauer freute sich über seine Rekordernte, ohne zu erkennen, woher sein Reichtum kommt. Oder wie es der Stammapostel ausdrückte: „Ein armer Mann, dieser reiche Mann.“

Im Reich Gottes sei es anders. „Alles beginnt mit einem Geschenk.“ Darin liege eine grundlegende Aussage des Evangeliums: „Das Land hatte gut getragen. Das ist das Evangelium. Das ist das Prinzip Gottes, dass Gott ein Schenkender ist.“ Gott schenke nicht kleinlich, sondern in einem „vollen, gedrückten, gerüttelten und überfließenden Maß“ (Lukas 6,38). Vor allem gebe er „Gnade auf Gnade. Immer noch mehr Gnade obendrauf in überfließendem, überreichem Maße.“

Das gelte auch für Menschen, die derzeit nur ein dürres Feld vor sich sähen. Gottes Liebe müsse niemand verdienen. “Du brauchst nicht zu verkrampfen und vor Gott irgendetwas zu leisten, sondern dieser, dein Gott, liebt dich, auch wenn du das im Moment nicht sehen kannst und nicht realisieren kannst.“

Ein Selbstgespräch, das einsam macht

Früher sei es üblich gewesen, wichtige Entscheidungen mit den Dorfältesten zu besprechen, erläuterte der Stammapostel. Doch „dieser arme, reiche Mann“ spricht weder mit anderen noch mit Gott. Er plant alles allein, sogar sein späteres Fest. „Fröhlich ganz alleine.“

Jesus dagegen „war immer gerne mit Menschen zusammen und hat sich mit den Menschen, mit den Zöllnern, mit den Sündern, mit allen an einen Tisch gesetzt und gegessen und getrunken und war fröhlich in Gemeinschaft.“ Selbst am Kreuz wandte er sich an Gott (Matthäus 27,46).

„Das ist das Prinzip Gottes von Gemeinschaft, von Nähe, von Beziehung. Du brauchst nicht alleine zu sein und du bist nicht alleine“, versicherte der Stammapostel. Auch wer sich verlassen fühle, könne zu Gott rufen: „Da ist immer noch einer, zu dem du sagen kannst, vielleicht schreien kannst: ‚Mein Herr, Mein Gott, mein Gott!‘“

Auch deshalb gelte: „Deswegen ist ja auch die Seelsorge so wichtig. Und warum wir auch drangehen zu sagen: ‚Ja, wir wollen Seelsorge stärken‘, weil wir uns auf den Himmel vorbereiten.“ In dieser Gemeinschaft werde Himmel schon heute erfahrbar: „Und das ist schon Himmel, dass wir zusammenkommen, dass wir uns gegenseitig stärken, dass wir miteinander über unsere Pläne, über unsere Fragen sorgen und unser Leid, unseren Kummer sprechen und beieinander und miteinander sind.“

„Denn der liebe Gott will das gar nicht, dass wir so alleine und armselig und verlassen und einsam dasitzen.“

Immer größer – aber wozu?

Die Scheunen sind zu klein. Also müssen größere her. Wie groß? Hauptsache größer. „Das ist das Abbild des Menschen, vielleicht auch ganz besonders des modernen Menschen.“

„Und es muss immer größer, ohne Maß sein, immer größer und immer schneller und immer höher und immer weiter. Und die Kurse müssen steigen und alles muss immer weiterwachsen. Dieser arme, reiche Mensch, der so ohne Maß, dieser auch Gier, letztlich in diesem Drang leben muss, der nie zu Ende kommt. Im Reich Gottes ist es anders.“

Jesus Christus ging den entgegengesetzten Weg: Er verliess den Himmel und erniedrigte sich selbst (Philipper 2,7).

Daraus ergebe sich eine persönliche Frage: „Was ist meine Scheune? Was ist mein Persönliches immer höher, immer schneller, immer größer, immer weiter. Was ist mein Lebensbereich, wo ich feststellen muss, da gibt es kein Maß mehr und da gibt es keine Mitte mehr und da ist Drängen und Begierde ohne Ende.“

Der Mensch habe Angst. Angst vor dem Leben und letztlich vor dem Tod, so der Stammapostel. Der Mensch sammle und sichere sich ab.

Hinter dem Drang stehe Angst, vor der keine Scheune schützen könne. Selbst die Raben versorge Gott ohne Vorräte (Lukas 12,24). Das Reich Gottes ist Demut und Vertrauen.

Die Ruhe, die nicht warten muss

„Wenn ich meine ganzen größeren Scheunen gebaut habe, wenn ich das alles zusammengesammelt habe, dann will ich endlich nur eines. Ich will Ruhe!“

Ein vertrauter Gedanke. Erst noch dieses Projekt abschliessen, jene Aufgabe erledigen, dieses Ziel erreichen. Danach wird es ruhiger. Wirklich?

Der Stammapostel verwies nochmals auf Worte Jesu: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28). Pläne dürften nicht zum Hamsterrad werden. Die Ruhe, die Christus schenke, sei bereits da.

Ein Erbe, das nicht weniger wird

Am Ende fragt Gott, wem der angehäufte Reichtum gehören werde. Der Stammapostel übersetzte die Frage in heutige Worte: „Du reicher Mensch, ich glaube, du hast dich ganz schön verrechnet. Nehmen wir mal an, ganz theoretisch, Du würdest heute Nacht sterben. Was wäre denn dann mit deinem, diesem ganzen Krempel, den du angesammelt hast? Wem gehört das denn alles? Wem gehört das alles, was du bereitet hast?“

Im Gleichnis fehlen die Erben. Im Reich Gottes dagegen bereitet Christus seinen Nachfolgern eine Stätte im Haus des Vaters (Johannes 14,2), macht sie zu Miterben (Römer 8,17) und will sie zu sich nehmen (Johannes 14,3).

So zeigt das Gleichnis nicht nur, woran der Kornbauer scheitert, sondern was Gott schenkt: Gnade statt Leistungsdruck, Gemeinschaft statt Einsamkeit, Demut statt Grössenwahn, Frieden statt Rastlosigkeit und ein Erbe, das Christus mit den Menschen teilt.


Photo: Neuapostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland, Manuel Luikenga

Oktober 21, 2026

Author: Simon Heiniger

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