Es sind Kinder, die da gejagt, gefoltert und ermordet werden – weil man ihnen magische Kräfte zuschreibt. Doch es gibt immer mehr Hilfe: eine Bestandsaufnahme zum Welttag gegen den Hexenwahn.
Das Kinderheim in Eket hat ein neues Dach, neue Fußböden, Türen und Fenster, 25 neue Doppelstockbetten samt Matratzen und Bettwäsche. Betreiber der Einrichtung in Nigeria ist das regionale Kinderrechts- und Rehabilitationsnetzwerk (CRARN). Finanziert hat die Renovierung human aktiv, das Hilfswerk der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland.
CRARN kümmert sich um „Hexenkinder“: Sie werden dunkler Magie beschuldigt und zu Sündenböcken für Unglück gemacht. Armut, Konflikte und Naturkatastrophen bereiteten den Boden für die Stigmatisierung, erklärt Martin Dawes von Unicef, dem Kinderhilfswerk Vereinten Nationen: „An Veränderungen zum Schlechten muss dann jemand schuld sein. Und Kinder sind wehrlos.“
Zuflucht vor Folter und Tod
Zehntausende von Kindern werden – etwa bei Exorzismen – schwer gefoltert, oft aus ihrer Heimat verjagt oder gar umgebracht. Allein im Niger-Delta hat CRARN bereits 8000 Kinder gerettet. In dem Heim können sie zur Ruhe kommen und ohne weitere Verfolgung aufwachsen.
In anderen Ländern Afrikas helfen SOS-Kinderdörfer, erläuterte human aktiv. Sie nehmen verstoßene Minderjährige auf und betreiben Aufklärungsarbeit, um den lebensbedrohlichen Aberglauben und die grausamen Praktiken zu beenden.
Aus dem Schatten ins Blickfeld
Für das neuapostolische Hilfswerk aus Süddeutschland war die Spende zur Renovierung im Kinderheim nur ein Anfang: „Mit einem neuen Hilfsprojekt will human aktiv dauerhaft sogenannte Hexenkinder in Afrika unterstützen“, kündigt die Website im März 2026 an.
Dass es Hexenverfolgung auch heute gibt, rückt zunehmen ins Blickfeld der Öffentlichkeit: Dazu gehört etwa der International Tag gegen Hexenwahn, der etwa seit 2020 begangen. Initiiert hat den Gedenktag das katholische Hilfswerk missio. Derzeit befassen sich die Vereinten Nationen mit dem Vorschlag, selbst einen Aktionstag auszurufen.
Bibel und Kirche widersprechen
Berichte über die Verfolgung vermeintlicher Hexen und Hexer kommen vor allem aus Afrika, aber auch aus Ländern Ozeaniens oder Südamerikas. Experten nehmen an, das seit 1960 mehr Menschen deswegen getötet wurden als während der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhunderten in Europa.
Da fast 90 Prozent neuapostolischen Christen in Afrika leben, ist das Thema „Hexenglaube“ auch für die Neuapostolische Kirche von großer Bedeutung: So erschien bereits 2013 dazu Sonderausgabe der Amtsträger-Zeitschrift Leitgedanken. Sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament verurteilen jegliche Form von Magie als Sünde, heißt es dort.
„In unserem Kampf gegen die Hexerei“ sieht die Kirche verschiedene Aufgaben. Zum einen: „Wir müssen Hexerei als moralische Angelegenheit angehen.“ Zum anderen: „Wir müssen die Wahrnehmung und das Verständnis ändern. Anstatt Angst vor Hexerei zu haben, sollten sich die Mitglieder auf Gott konzentrieren und eine gesunde Lebenseinstellung entwickeln.“ Und schließlich: „Wir müssen vermitteln, dass Gotteskinder von Gott die Kraft erhalten haben, frei von bösen Mächten zu sein. Das ist die ,Rüstung Gottes‘, die den Gläubigen kostenlos zur Verfügung steht.“