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Der Schiedsrichter im Herzen

September 21, 2026

Author: Andreas Rother

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Ein Gruß aus dem Weltall, ein Wort aus der Bibel und ein Bild vom Abendmahl: Sie erzählen auf ganz unterschiedliche Weise davon, was den Frieden Christi ausmacht.

Star-Trek-Fans hier? Dann dürften gleich die Finger zucken. „Langes Leben und Wohlergehen“ ist eine gute Übersetzung für Spocks ikonischen Gruß: „Live long and prosper.“ Dazu hebt der Erste Offizier der USS Enterprise eine Hand: Daumen abgespreizt, zwischen Mittel- und Ringfinger eine V-förmige Lücke.

Diese Geste hat Spock-Schauspieler Leonard Nimoy schon als Kind gesehen – im jüdischen Gottesdienst mit seinen Eltern. Beidseitig ausgeführt bekräftigt das Handzeichen den Birkat Kohanim („Segen der Priester“). Gesprochen wird der aaronitische Segen aus 4. Mose 6,24–26 („Der Herr segne dich und behüte dich …“). Und dieser Segen endet mit „Shalom“.

Frieden in allen Beziehungen

„Shalom“ heißt Frieden, bedeutet aber weit mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Das Wort umfasst Ruhe, Unversehrtheit, Harmonie, Wohlergehen, Vollkommenheit. In knapp 240 Versen des Alten Testaments beschreibt es die richtige Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Schöpfung – und kann dabei von innerer Gelassenheit bis hin zur gesellschaftlichen Ordnung reichen.

„Shalom“ dürfte das Wort der Wahl gewesen sein, als der auferstandene Jesu mitten in den Kreis der verängstigten Jünger trat: „Friede sei mit euch!“ Was diese Worte wirklich bedeuten, zeigt Apostel Paulus in Epheser 2,14: Christus selbst „ist unser Friede“. Und in Kolosser 3,15 appelliert er: „Der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leiberegiere in euren Herzen; und seid dankbar.“

Wer hat das letzte Wort?

Der „Friede Christi“ ist die von Jesus gestiftete Versöhnung zwischen Gott und den Menschen sowie das darauf aufbauende Miteinander von Menschen. Als Mensch gewordener Gott stellt er die Gemeinschaft von Gott und Mensch wieder her, bringt die Menschen in seinem Namen zueinander und gibt ihnen Halt und Orientierung mit seinem Vorbild.

Dieser Friede soll in den Herzen regieren. Dabei umfasst das Herz – im Hebräischen lev oder levav, im Griechischen kardia – das gesamte Innenleben des Menschen: Denken und Fühlen, Wollen und Verstehen. Der Friede soll den Gläubigen ganz durchdringen.

Regieren“ übersetzt hier brabeuō. Der griechische Begriff stammt aus dem Sport und bezeichnet die Tätigkeit des Schiedsrichters. Wörtlich verstanden heißt das: Das Innenleben bleibt Arena von Konflikten, in der Gefühle und Gedanken, Ängste und Wünsche miteinander kämpfen. Doch das letzte Wort hat der Schiedsrichter.

Das beschränkt sich aber nicht auf das individuelle Innere: Der „eine Leib“ ist das Bild von Apostel Paulus für die Gemeinschaft der Gläubigen. Und er weiß nur zu gut, dass selbst da Konflikte nicht ausbleiben. Der Friede Christi soll als Schiedsrichter auch im menschlichen Miteinander wirken. „Denn er ist unser Friede“, so geht der Vers in Epheser 2,14 weiter: „der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm.“

Zu diesem Frieden sind die Glaubenden „berufen“. Das ist nichts, was Einzelne aus eigener Kraft erreichen könne. Der Friede Christi ist ein Geschenk Gottes an Gemeinde und Kirche – als Teil der gemeinsamen Bestimmung.

Dankbar in Richtung Mitte

Und schließlich: dankbar. Das griechische Adjektiv eucháristos meint keine momentane Gefühlsaufwallung, sondern eine Grundhaltung. Das verwandte Substantiv eucharistía übernahmen die frühen Christen schon bald als Bezeichnung für das Abendmahl. Und so ergibt sich ein Bild für den Frieden Christ.

Wäre Christus bei der Feier des Heiligen Abendmahls sichtbar, dann würden sich alle Gläubigen auf ihn als Mittelpunkt zubewegen. Und je näher die Menschen ihm kämen, desto näher kämen sie einander. Abstand, Ablehnung, Konflikt – das ginge dann gar nicht. Denn das würde den Kreis sprengen, den der Friede Christi um sie schließt.

Vorerst bleibt das jedoch eine Idealvorstellung. Das vollkommene „Shalom“ gibt es erst in der neuen Schöpfung, wo weder Tod sein wird „noch Leid noch Geschrei noch Schmerz“ (Offenbarung 21,4).

Und dann darf man sich bestimmt auch grüßen mit: „Ewiges Leben und Wohlergehen!“ 🖖


Foto: melita – stock.adobe.com

September 21, 2026

Author: Andreas Rother

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