Freudlosigkeit, innere Leere, Sorge – die Sehnsucht nach Freude ist groß. Wo der Schlüssel zur wahren Freude zu finden ist und was ihr im Weg steht, verrät der Stammapostel.
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ dieses Bibelwort aus Philipper 4,4 legte Stammapostel Helge Mutschler der Predigt am Sonntag, 14. Juni 2026 in Stäfa (Schweiz) zugrunde.
„Das Problem ist, dass es in der Gesellschaft, mitunter in der Kirche oder auch in unserem persönlichen Leben zurzeit vielleicht auch sehr viel Freudlosigkeit gibt.“ Es werde so viel Leere empfunden. Dennoch sei überall zu spüren: „Wir wollen Freude!“ Es sei eine tiefe Sehnsucht danach vorhanden. „Die Frage ist aber, wie geht das?“
Weder Dauerlächeln noch Ego
Das Bibelwort sei der Schlüssel, um zur Freude zu gelangen. Doch könne es missverstanden werden. Was das Bibelwort nicht meint:
Freude als Fassade. Man soll immer lächeln.– „Immer lächeln, obwohl es mir ganz schlecht geht, ich mich gar nicht freue, das wäre ja der Aufruf, eine Maske aufzusetzen, das wäre ja der Aufruf zur Lüge.“
Freude als Leistung. Freude in Christus ist von einer erbrachten Glaubensleistung abhängig. – Gott sei kein Wunschautomat, in den man oben etwas hereinwerfe und unten kommt das raus, was man sich wünscht. „Wir sagen wirklich entschieden Nein zu jeder Form von Wohlstandsevangelium.“
Freude über irdische Dinge. Freude allein an irdischen Gütern festmachen. – „Diese ganzen irdischen Dinge, die schön sind, sind aber vergänglich und haben keinen Bestand.“
Freude als Selbstgenügsamkeit. Man soll einfach über allem Kummer, über allem Leid schweben. – „Das wäre das keine Freude im Herrn. Das wäre Freude in mir selbst, eine narzisstische, egoistische Freude“.
Freude als Geschenk
Was könnte Apostel Paulus im Philipperbrief also gemeint haben mit „Freut euch in dem Herrn allewege“?
Es sei eine ganz tiefe, eine ganz leichte, eine ganz hohe, eine ganz breite, schöne, einfache Freude. Es gehe bei dieser Freude um Nähe, Vertrauen, Beziehung, Liebe, geöffnete Arme, ums Ankommen, zu Hause sein, da sein in Liebe. „Das drückt sich in diesem ganz kleinen Wort aus: ‚in‘ – ‚freut euch in dem Herrn.‘ Ganz ineinander, umgeben von allen Seiten von seiner Liebe.“
Diese Freude habe immer und ewig bestand. Sie sei Geschenk und nicht Ergebnis eigener Anstrengungen. Sie entspringe aus der eigenen Beziehung zu Gott, „besser gesagt, aus der Beziehung Gottes zu uns.“ Diese Freude sei nicht so sehr Gefühl, sondern Realität – Heilsrealität.
Gottes Weg zur Freude
Mit der Sünde sei das Problem der Freudlosigkeit und Leere gekommen, die bis heute anhalte. Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen sei zerbrochen und mit ihr der Grund der Freude. Die Antwort Gottes sei die Wiederherstellung dieser Beziehung gewesen.
Durch die Geburt des Heilandes „war wieder Morgenrot dieser Freude über der gesamten Schöpfung zu spüren.“ Durch Jesu Kreuzestod sei diese Beziehung zwischen Gott und Mensch wieder heil geworden. An Ostern, „als die Jünger den Herrn sahen“, erläuterte der Stammapostel, „da kam diese ganz andere tiefe und schöne Freude in sie hinein.ׅ“ Pfingsten führe alle zusammen und habe die Beziehung untereinander geheilt. Freude sei in diesem Sinne auch Frucht des Heiligen Geistes. „Freude ist in uns allen, hineingelegt als Gabe, als Geschenk Gottes auch in der Wiedergeburt aus Wasser und Geist, hineingelegt als Kraft in dich und in mich.“ Und diese Freude wachse, wenn die Verbindung zu Christus gepflegt werde.
Feinde vs. Freunde
Es gäbe auch Feinde der Freude. Da Freude was mit Beziehungen und Vertrauen zu tun habe, ginge es um Beziehungsstörungen und Vertrauensstörungen:
Konflikt: „Mach den ersten Schritt auf den Nächsten zu. Denk über Vergebung nach.“ Dann könne die Beziehung wieder geheilt werden und Freude einkehren.
Sorge: Sie mache Beziehungen und das Vertrauen zu Gott kaputt. Wer seine Sorgen auf Gott werfe und ihm vertraue, zu dem kehre die Freude zurück.
Sünde: Sie trenne. Bereuen, umkehren, bekennen sei die Lösung. „Uns vergeben lassen und uns gegenseitig vergeben, dann kommt die Freude wieder.“
Egoismus: Die Beziehung sei hier zu absolut jedem gestört. „Gott dienen, dem Nächsten dienen“, das sei die Antwort, um wieder in diese tiefe, innere, stille Freude zurück zum Herrn zu kommen.
„Der Herr ist jetzt schon nahe“, betonte der Stammapostel und ergänzte in Bezug auf die Wiederkunft Christi: „Dieser Tag, diese Ewigkeit ist lautere, reinste, ewige, leichte, schönste Freude.“






