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Homiletik (11): Die Predigt nach draußen tragen

15 01 2026

Author: Dr. Markus Cromhout

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Was nehmen die Gläubigen mit, wenn sie nach einem Gottesdienst nach Hause gehen? Ist die Predigt schon vergessen, wenn sich die Kirchentür schließt? Oder hatte die Predigt eine klare Botschaft?

Jede Predigt ist wie eine Reise, auf die der Geistliche die Gemeinde mitnimmt – mit einem Anfang, einem Weg und einem Ziel. Eine zielgerichtete Predigt bringt die Botschaft auf den Punkt und hat einen Mitnahmeeffekt. Die Zuhörer nehmen das Gehörte mit in den Alltag. 

Sich ein klares Ziel für die Predigt setzen

Bevor man die Kernpunkte der Predigt entwickelt, ist es hilfreich, ein klares Ziel festzulegen. Was muss die Predigt erreicht haben, wenn man sie am Altar zusammenfasst und beendet. Was von dem Gehörten kann man mit nach Hause nehmen und umsetzen? Das ist das Ziel und es ist die Schnittmenge zwischen der Kernbotschaft, dem Bibeltext und den Bedürfnissen der Gemeinde. Außerdem hängt die Art des Predigtziels von der Art der Botschaft selbst ab und wird von Faktoren beeinflusst, die im Folgenden erörtert werden. Die oder der Geistliche müssen entscheiden, auf welche Aspekte sie sich konzentrieren und wie sie diese vermitteln wollen.

Versammeln, ausrüsten, senden

Wir können Predigten in drei Grundtypen einteilen: das Sammeln der Gemeinde, das Ausrüsten der Gemeinde und das Senden der Gemeinde. 

Zunächst muss die Gemeinde gesammelt werden. Es geht darum, Menschen zu Christus zu bringen und sie zum Glauben an das Evangelium zu führen. Wichtig ist, sie mit dem Auftrag des Apostolats vertraut zu machen. Das Evangelium, also die gute Nachricht, sowie die Lehre und die Mission der Kirche müssen allen verkündet werden. 

Zweitens muss die Gemeinde mit Wissen und Fähigkeiten ausgerüstet werden. Dazu gehört die Verkündigung von Wissen über das Evangelium und die Lehre der Kirche sowie eine Handlungsorientierung, wie die Gläubigen das Gehörte in ihren gegenwärtigen Verhältnissen umsetzen können. Solche Predigten fordern zur Entscheidung auf, zur Änderung der eigenen Einstellung und des eigenen Verhaltens. Predigten wollen aber auch heilen und Trost und Hoffnung spenden. 

Drittens muss die Kirche in die Welt gesandt werden. Sie soll vom Evangelium und der Mission der Kirche Zeugnis geben, was wiederum dazu beiträgt, die Gemeinde zu sammeln. Es geht auch darum, Menschen in Not zu helfen. 

Wir müssen uns Gedanken machen, was die Predigt bewirken soll. Soll sie sammeln? Soll sie die Gemeinde ausrüsten? Oder soll sie senden? 

Die Rolle als Prediger 

Als Diener des Wortes sind Geistliche eine Quelle des Segens

  • Sie sind eine Quelle der Autorität: ein – im Sinne des Wortes – Dienst-Leitender[, der im Dienst der Gemeinde steht und vom Apostolat gesandt wurde, um zu predigen.
  • Sie sind eine Quelle des Wissens: Sie verkünden das Evangelium, die Lehre der Kirche und vermitteln Fähigkeiten, wie man das Gehörte umsetzen kann. 
  • Sie sind eine Quelle der Heilung: Sie verkünden Gottes Liebe, Vergebung, Hoffnung und Versöhnung.
  • Geistliche helfen, Sinn zu stiften.

Berücksichtigt werden muss auch die Botschaft der Predigt und die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinde. Und man sollte sich fragen: Was sollen die Geschwister nach der Predigt wissen oder verstehen? Was sollen sie fühlen, glauben, entscheiden und schließlich tun?

Solche Überlegungen haben Einfluss auf 

  • das Identitätsbewusstsein: Wer bin ich?
  • den Stellenwert: Bin ich wichtig?
  • den Lebenszweck: Warum bin ich hier?
  • die Handlungsfähigkeit: Kann ich etwas bewirken?

Wenn man als Geistlicher die Verhältnisse und Zusammenhänge in einer Gemeinde kennt und die oben genannten Hinweise beachtet, hilft es einem dabei, das Ziel und den “Mitnahmewert” der Predigt zu formulieren. 

Vom aktiven Zuhören zur aktiven Umsetzung

Sobald das Ziel der Predigt feststeht, sollte man es in seine Zusammenfassung einbauen. Die Geschwister müssen klar erkennen, dass das Ende der Predigt erreicht ist, aber auch, dass sie eine klare Aufgabe oder Verantwortung haben, wenn sie die Kirche verlassen. Das ist die eine konkrete Sache, das sogenannte „Take-away“, das sie aus der Predigt mit nach Hause nehmen. Das ist der Mitnahmewert der Predigt und ist der Punkt, an dem sich die „Bedeutungswelt” des Evangeliums mit der „Bedeutungswelt” der Geschwister verbindet und diese zu verändern beginnt. 

Dieses Ziel ist nicht starr oder unveränderlich. Während man sich in die Botschaft vertieft und den Hauptteil der Predigt entwickelt und dabei Momente persönlicher Entdeckung erlebt, lässt sich das Ziel der Predigt jederzeit entsprechend ändern. Wichtig ist, dass die zentrale Botschaft in einer Weise vermittelt wird, die dem Kontext angemessen ist, und den Geschwistern eine Handlungsorientierung bietet, das Gehörte zu Hause zu vertiefen und umzusetzen.

Eine Predigt darf kein einmaliges Ereignis sein, das innerhalb der Kirchenmauern verhallt. Die Geschwister sollen die Botschaft mitnehmen, sie verinnerlichen und eine persönliche Veränderung erfahren. Dann werden sie selbst zu einer lebendigen Predigt für andere, indem sie das praktizieren, wozu sie berufen sind: Kinder Gottes sein. 


Foto: Gita – stock.adobe.com

Über den Autor

Dr. Markus Cromhout (geb. 1972) ist Theologe bei der Neuapostolischen Kirche Afrika-Süd und in seiner Gemeinde als Evangelist aktiv. Er studierte an der Theologischen Fakultät der Universität Pretoria und promovierte im Neuen Testament. Neben wissenschaftlichen Werken verfasst er auch populärwissenschaftliche Bücher. Zum Thema „Homiletik“ führte er Seminare durch und begleitet mit wöchentlichen Hintergrundbeiträgen.

15 01 2026

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