Schauplatz bewegender Kirchengeschichte, musikalischer Höhepunkte und prägender Amtswechsel – bis heute ist die Gemeinde Silvertown ein Zentrum neuapostolischen Lebens in Südafrika.
„Soweit ich weiß, ist dieses Gebäude derzeit die größte neuapostolische Kirche der Welt“, sagte Stammapostel Ernst Streckeisen. Die Rede ist vom Neubau der Gemeinde Silvertown in Kapstadt (Südafrika). Erst 19 Jahre zuvor hatte die Gemeinde ihr erstes Kirchengebäude mit rund 700 Sitzplätzen erhalten. Doch aufgrund des anhaltenden Mitgliederzuwachs war diese schon bald viel zu klein.
Ort des Abschieds und des Neubeginns
Als nun Stammapostel Streckeisen Anfang November 1978 am damaligen DF Malan Airport einreist, säumen tausende von Glaubensgeschwistern die Straßen. Am 4. November 1978 weiht er das neue Kirchengebäude in Silvertown ein und hält einen Tag später den ersten Gottesdienst für Entschlafene in Südafrika. Zuvor klagt er über Schmerzen in seinem Bein, in welchem er vor Jahren ein schweres Blutgerinnsel erlitten hat – er besteht trotzdem darauf den Gottesdienst durchzuführen. Drei Tage später erleidet er einen Schlaganfall und stirbt an den Folgen.
Silvertown ist seit der Weihe das Kirchengebäude mit der größten Sitzplatzkapazität am Kap und wird daher meist für festliche Gottesdienste genutzt, zu denen Mitglieder aus verschiedenen Gemeinden eingeladen sind. Das Kirchengebäude ist 1988 auch das erste, von dem aus eine audiovisuelle Übertragung eines Gottesdienstes stattfindet.



Drei Bezirksapostel werden in Silvertown in den Ruhestand verabschiedet und drei Bezirksapostel übernehmen hier den Staffelstab ihrer Vorgänger: 1985 übernimmt Bischof Ernst Graf das Amt von Bezirksapostel Karl Rudolf Gut, 1996 tritt Apostel Noel Barnes in die Fußstapfen von Bezirksapostel Graf, 2016 folgt Bezirksapostelhelfer John Kriel sein Vorgänger Barnes.
Zu Pfingsten 2010 in Kapstadt versammeln sich 300 Männer in schwarzen Anzügen vor der Orgelfassade in Silbertown. Es sind fast alle Apostel aus aller Welt und nehmen dort ein Gruppenfoto auf.


Kirche mit Klangraum
Silvertown ist nicht nur eine Kirche, sondern sogar eine Konzertkirche. Schon bei der Planung des Kirchengebäudes wird dieses als Veranstaltungsort mit herausragender Akustik konzipiert. Darauf weisen die Form des Kirchenschiffs, das Fehlen von Stützpfeilern für die Empore und die mehrschichtigen Dachbalken hin. Damit die bauliche Struktur die bestmögliche Klangqualität gewährleistet, wird ein Tontechniker der Universität Kapstadt hinzugezogen.
Nach dem Umbau bis 2004 bietet die Konzertkirche 1600 Sitzplätze und wartet mit der Besonderheit auf, dass sich der Altar im Boden des Podestes versenken lässt und somit eine Bühnenplattform für bis zu 150 Sängern und 80 Instrumentalisten schafft. Außerdem verfügt sie über eine 2600-Pfeifen-Orgel mit 45 computergesteuerten Registern, einer Licht- und Tontechnik, die DVD- und CD-Aufnahmen erlaubt sowie einer speziellen Klimaanlage, die solche Aufzeichnungen durch einen ausgesprochen leisen Betrieb nicht stört. Daher dient die Kirche auch als Aufnahmestudio für den Chor, der die erste Langspielplatte für die Kirche mit dem Titel „The Lord God reigneth“ aufnimmt. Das Cover der Platte zeigt ein Foto des Chores, der vor dem Altar steht.
Silvertown klingt weiter
Über die Jahre hat das Kirchengebäude viele musikalische Highlights gesehen, von Spenden-, über Weihnachts- bis hin zu Pfingstkonzerten den Neuapostolischen Kirche, aber auch öffentliche Konzerte. So wird eine Zusammenarbeit mit dem Cape Philharmonic Orchestra gefördert und im Laufe der Zeit auch mit anderen Gastchören und -orchestern.
Die letzten beiden Konzerte zu Pfingsten fanden 2010 sowie 2023 statt und das nächste steht bereits vor der Tür: Samstag, 23. Mai 2026. Das Konzert wird direkt aus der Kirche in Silvertown übertragen und kann per Livestream verfolgt werden.


Foto: NAC Southern Africa