Wer einen größeren Glauben erbittet, hat die Rechnung ohne das Senfkorn gemacht. Manchmal beginnt das Unmögliche genau dort, wo man aufgehört hat, dagegen anzukämpfen.
Stammapostelhelfer Helge Mutschler war zum ersten Mal im Bezirksapostelbereich Westdeutschland zu Gast. Am 1. Februar 2026 hielt er in der Stadthalle Lindlar (Bezirk Köln-Ost) einen Gottesdienst, der auf Gemeinden in der Gebietskirche übertragen wurde. Seiner Predigt legte er das Bibelwort aus Lukas 17,5.6 zugrunde: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.“ Die Kernbotschaft an diesem Morgen: Glaube ist keine Leistung!
Ein Baum, den niemand verpflanzt
Den Maulbeerfeigenbaum, auf den Jesus zeigte, nannte der Stammapostelhelfer „ein ziemlich hässliches Gerippe, aber ein hässliches Gerippe mit sehr, sehr tiefen Wurzeln“, ein Gewächs, das sich gegen jede Verpflanzung sperrt. Jesus habe damit bewusst etwas gewählt, das in der damaligen Welt als unverrückbar galt. Es sei, als würde der Herr heute neben dem Empire State Building stehen und ihm befehlen, sich in den Hudson River zu setzen. Das Bild ist provokant: Wer hätte den Mut, einem Wolkenkratzer Befehle zu geben?“
Eine Bitte aus der Überforderung
Der Zusammenhang ist entscheidend: In den Versen zuvor spreche Jesus von Verführung und von Konflikten in den eigenen Reihen, von Verletzungen und der Pflicht, dem reuigen Bruder immer wieder zu vergeben. Sieben Mal, also ohne Ende. Aus der empfundenen Überforderung heraus baten die Apostel um mehr Glauben. Sieben Mal vergeben, immer wieder – das fordert heraus, ja, es überfordert.
Die Sehnsucht nach dem starken Glauben
Die Apostel wünschten sich, so der Stammapostelhelfer, einen größeren, mächtigeren Glauben, mit dem man Krankheit wegbeten und das Leben leichter tragen könnte. Die Apostel dachten, wie die Menschen heute oftmals denken: mehr ist mehr. Stammapostelhelfer Mutschler zitierte die Logik, die dahintersteckt: „Immer stärker, immer durchschlagskräftiger, …“ Wer schwach sei, zähle in dieser Rechnung wenig. Genau dort setze Jesus mit dem Senfkorn-Bild an.
Kleiner Glaube an den großen Gott
Das Senfkorn sei der kleinste damals bekannte Samen gewesen; siebenhundert Stück ergäben gerade mal ein Gramm. Auf diese Winzigkeit komme es an. „Auch dein ganz kleiner Glaube, dein schier kaputt gebrochener Glaube, zählt in den Augen des Herrn Jesus Christus“, sagte Stammapostelhelfer Mutschler. Wesentlich sei nicht die Größe, sondern das Gegenüber: „Entscheidend ist, dass du einen kleinen Glauben an den großen Gott hast.“ Nicht die eigene Kraft zählt, betonte der Stammapostelhelfer, sondern dass Christus im Schwachen mächtig ist. Deshalb reißt dieser arme, schlichte Glaube Bäume aus. Er beschrieb ihn als „ein armer, schlichter, einfacher Glaube, der nicht meint, kämpfen zu müssen“. Statt auf die eigene Kraft zu bauen, lasse er sich fallen.
Senfkorn-Glaube in sechs Lebensfeldern
Konkret wurde dieses Prinzip an sechs Lebensfeldern, in denen sich Festgefahrenes wie tiefe Wurzeln eingegraben hat.
- Leid: Wer schwer erkrankt ist und meint, mit genug Glauben die Heilung erzwingen zu müssen, missversteht das Senfkorn. „Es ist nicht schlimm, dass du zweifelst.“
- Altes Gottesbild: Wer jahrzehntelang einen strafenden, Leistung fordernden Gott im Herzen trug, hat dort tiefe Wurzeln geschlagen. An deren Stelle könne ein anderes Bild wachsen: „Vielleicht ist dieser Gott doch die Liebe.“
- Sünde: Wer die eigene Lieblingssünde mit aller Anstrengung ausreißen will, scheitert an sich selbst. „Dabei verkennst du, dass du es mit deiner eigenen Kraft niemals schaffen wirst.“
- Vergebung: Zwei Geschwister, jahrelang verfeindet, versöhnten sich nach einem Gottesdienst, obwohl die Verletzung längst unverrückbar schien. „Ich habe mir das angehört, es war eigentlich ein Ding absoluter Unmöglichkeit.“ – und doch gelang es.
- Angst in der Gesellschaft: In den vergangenen Jahren hat sich in vielen Herzen Angst verwurzelt. „Es geht weiter. Es ist alles in den Händen Gottes.“
- Mission: Leerer werdende Bänke und die Entchristlichung könnten entmutigen. „Lasst uns einfach in die Hände Jesu Christi fallen und unseren Auftrag ausführen.“
Freude statt Angst vor der Zukunft
Am Ende stand die Wiederkunft Christi, ein Gedanke, der in der Geschichte der Kirche bei Manchen Angst ausgelöst hat. An ihre Stelle solle Freude treten. Auch hier gelte der schlichte Senfkorn-Glaube, der nicht grübelt, sondern loslässt. „Kämpft doch nicht, verkrampft euch doch nicht so!“ Der Stammapostelhelfer ließ das letzte Wort dem Herrn: „Du kannst dich einfach in meine Hand fallen lassen und dann kannst du Bäume ausreißen.“








