Vom ersten Missionsauftrag bis zur vereinten Gebietskirche Afrika-Süd: Die Geschichte der Pfingstgastgeber erzählt von Glauben, beständigem Wachstum und Zusammenhalt.
Ein junger deutschstämmiger Auswanderer wird 1889 von Apostel Heinrich Friedrich Niemeyer von Australien nach Südafrika geschickt. Die Mission des 37-jährigen Evangelisten Carl Georg Klibbe: die Gründung neuapostolischer Gemeinden. Doch seine Arbeit bleibt zunächst erfolglos. Erst mit dem Umzug von Claremont in das 900 Kilometer entfernte East London am Ostcap tragen seine Bemühungen Früchte. Drei Jahre nach seiner Ankunft entsteht dort die erste Gemeinde. Ein eigenes Kirchengebäude gibt es noch nicht.
Mit der Berufung Klibbes zum Apostel 1893 folgt die Ordination weiterer Diakone, Priester und Evangelisten in Südafrika. Diese sendet er zur Mission in benachbarte Städte, sodass weitere Gemeinden entstehen: Port Elizabeth, Durban, Johannesburg, Kimberley. So schickt er 1903 den Diakon Georg Heinrich Wilhelm Schlaphoff nach Kapstadt.


Die Kirche kommt nach Kapstadt
Schlaphoff stammt aus Norddeutschland und findet mit seiner Familie in Südafrika nicht nur eine neue Heimat, sondern 1902 auch den neuapostolischen Glauben. In Kapstadt soll er beim Aufbau der Kirche im westlichen Südafrika unterstützen. Die ersten Gottesdienste finden in seinem Haus in der Argyle Street 41statt, später in einem Mietlokal. Gepredigt wird in Deutsch und Holländisch, dann auch in Englisch. Die ersten Gläubigen werden im April 1904 in Kapstadt versiegelt. Zum Apostel wird Schlaphoff 1913 ausgesondert und soll die Führung der Gemeinden in Südafrika übernehmen.
Das erste eigene Kirchengebäude wird an Pfingstsonntag 1906 in Claremont, Palmyra Road, von Apostel Klibbe eingeweiht. Vier Jahre später wird die Kirche offiziell als „The New Apostolic Church (Africa)“ registriert. Doch zwischen 1913 und 1926 gibt es die „Neuapostolische Kirche“ zwei Mal im südlichen Afrika. Denn Apostel Klibbe und seine Anhänger gehen eigene Wege, doch behalten den Namen bei. Erst vor dem Obersten Gerichtshof wird entschieden, dass Klibbe den Namen nicht für sich beanspruchen darf.


Wachstum durch Wandel
Als Apostel Schlaphoff 1928 zu einer Rundreise aufbricht, zählt die „New Apostolic Church (Africa)“ 40 Gemeinden und etwa 7000 Mitglieder. Auf dieser Reise erkrankt er plötzlich und stirbt. Sein Nachfolger ist sein Sohn Heinrich Franz Schlaphoff, der 1929 das Amt des Bezirksapostels für Südafrika und 1933 das Amt des Stammapostelhelfers für die südliche Erdhalbkugel antritt. Er führt das Werk seitens Vaters nicht nur weiter, sondern baut es auch weiter aus. Dazu zählen radikale Maßnahmen:
- Abschaffung der deutschsprachigen Gottesdienste. Es wird nur noch in Englisch und Afrikaans gepredigt. Durch die Besinnung auf die Landessprache kommt es zu einem deutlichen Zulauf in den Gemeinden.
- Strukturierung der Gebietskirche in Ältesten- und später Bischofsbezirke. Die Verwaltung bekommt eine Buchführung nach europäischem Muster, ein wöchentliches Rundschreiben an die Amtsträger in drei Sprache geht raus.
- Einrichtung eines Beerdigungsfonds und Wohlfahrtszentren.
- Gründung der „United Sports Union“. Dort unterhält die Kirche eigene Liegen von Gemeinde-Mannschaften für Fußball, Cricket und Softball.


Südafrika im Aufbruch
Die Neuapostolische Kirche wird 1939 in Südafrika als Körperschaft anerkannt. In der Zeit nach Schlaphoff wird sein Gebiet in Bereiche mit eigenen Bezirksaposteln aufgeteilt: hier also Südost-Afrika und Cape.
Der erste Besuch eines Stammapostels 1965 erfolgt durch Stammapostel Walter Schmidt. Im Jahr 1978 kommt Stammapostel Ernst Streckeisen zu Besuch, weiht die Kirche Silvertown ein, hält den ersten Gottesdienst für Entschlafene in Südafrika und stirbt drei Tage später an einem Schlaganfall in Kapstadt. 1999 weiht Bezirksapostel Noel Barnes eine der weltweit größten Kirchen in Tafelsig ein.
Gemeinsam in die Zukunft
Unter Führung von Bezirksapostel John Kriel werden 2016 die Bereiche Südost-Afrika und Cape zu einem neuen Bezirksapostelbereich nachhaltig fusioniert. Der Kirchenbezirk trägt den Namen „New Apostolic Church Southern Africa“ – Afrika-Süd. Dieser Arbeitsbereich umfasst Botswana, Falkland-Inseln, Lesotho, Madagaskar, Mauritius, Mayotte, Mosambik, Namibia, Réunion, Seychellen, St. Helena, Swasiland und Südafrika. Seit 2023 ist Peter Lambert der amtierende Bezirksapostel.
Foto: Neuapostolische Rundschau; Bischoff Verlag Archiv