Wie die Kirche fast einen Geburtstag vergaß
Grabsteine erzählen Geschichte, aber nicht immer die richtige. Und so kann ein Jubiläumsartikel platzen: Apostel Menkhoff und sein Geburtstag – eine Spurensuche.
„Du bist etwas spät dran.“ – Als die E-Mail mit diesem Satz eintrifft, ist klar: Die Recherche ist zu Ende und die Geschichte ist, wie man so sagt, gestorben.
Eigentlich sollte hier eine Würdigung zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Menkhoff stehen, einem Urgestein des neuapostolischen Glaubens, ein Apostel, der die Kirche liturgisch-kulturell geprägt hat wie kaum jemand anders.
Doch dann war da dieses unbestimmte Bauchgrummeln: Geburtstag, stimmt das? War da nicht was? Also ein schneller Gegencheck. Ein Mal Googeln später purzeln die Daten nur so herein: 2. Juni 1826, 2. Februar 1826 und dann gar 27. Mai 1824. Ähm, was stimmt denn nun? Und jetzt fängt die Arbeit erst an.
Chaos im Kalender
Dr. Manfred Henke hat das Durcheinander systematisch erfasst. Er ist Hirte in Ruhe und anerkannter Kirchenhistoriker für Neuapostolisches und Katholisch-Apostolisches. In seinem – noch unveröffentlichten – Buch mit Arbeitstitel „Richtig apostolisch? – Die Neuapostolische Kirche im 19. Jahrhundert“ hat er Menkhoffs Geburtstagsproblem eine richtig dicke Fußnote eingeräumt.
27. Mai 1824, sagt der Internationale Apostelbund in seinem „Verzeichnis der Apostel“. Und korrigiert sich in der zweiten Auflage auf den 2. Juni 1826. Das gleiche Datum findet sich in der Loseblattsammlung „Apostel der Endzeit“ aus dem Bischoff-Verlag. Vom 2. Juni 1824 (also anderes Jahr) spricht hingegen das Standardwerk „Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland“ von Dr. Johannes Albrecht Schröter. Und den 2. Februar 1826 (also anderer Monat) nennt die jüngste Publikation, „Nieuw licht op oude wegen“ (Neues Licht auf alten Wegen) von Berry Brand.
Naja, schön zu wissen. Aber so richtig hilft das jetzt auch nicht weiter.
Zu den Quellen
„Wilhelm Friedrich Menkhoff wurde am 27. Mai 1824 geboren“, schreibt Mathias Eberle in seiner Magisterarbeit, die sich um das frühe Wirken des späteren Apostels als evangelischer Diakon dreht. Seine Aussage belegt der Vorsitzende des Netzwerkes Apostolische Geschichte mit Primär-Quellen: „siehe Kirchenbuch Wallenbrück, S. 113, Nr. 45.“
Dr. Henke nickt zustimmend. Seine Fußnote nennt dazu noch eine zweite Quelle: „Menkhoffs im Wallenbrücker Kirchenbuch genanntes Geburtsdatum“ wird „durch den Eintrag über Menkhoffs Heirat, Historisch Centrum Leeuwarden, Archiefnummer 1002, Inventarisnummer 3584: Huwelijksregister 1859 Leeuwarden, Nr. 24 bestätigt.“
Und Alfred Krempf, Leiter des Zentralarchivs der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, ergänzt eine weitere Quelle für den 27. Mai 1824. So ist es auch in der Personenbeschreibung zum Bevölkerungsregister im Amsterdamer Stadtarchiv dokumentiert.
Ein Fehler, in Stein gehauen
So weit, so gut. Aber wo kommt das falsche Datum her?
Stein des Anstoßes ist ein Grabstein, oder besser das Grabmal von Apostel Menkoff, „ein markanter Obelisk zentral auf dem Gadderbaumer Privatfriedhof in Bielefeld“, wie Mathias Eberle schildert. Hier findet sich das falsche Datum 2. Juni 1826.
Und wie kann so etwas passieren? „Solche Fehler kommen bei der Restaurierung verblichener Inschriften oder (wie aufgrund des Aussehens in diesem Fall zu vermuten) Ersatz eines alten Grabsteins durch einen neuen häufiger vor“, heißt es im unveröffentlichten Henke-Manuskript.
Wer mehr über das Wirken von Apostel Menkhoff erfahren will, der wird hier und hier fündig. Aber Achtung: Das Geburtsdatum ist falsch. Tatsächlich wurde Friedrich Wilhelm Menkhoff am 27. Mai 1824 geboren – laut Henke um 6 Uhr morgens.