Namen im Himmel

„Ein Mann, durch den Gott sein Volk segnen konnte“, so beschrieb ihn Stammapostel Urwyler: Am 18. April wäre Bezirksapostel Willi Wintermantel 120 Jahre alt geworden – ein Lebensbild in Benennungen.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ – Sein Lebensmotto aus Jesaja 43,1 stellte Bezirksapostel Willi Wintermantel seinem Lebenslauf voran. Um Namen ging es auch beim Trauergottesdienst für den Bezirksapostel am 29. Juli 1988. Diesem legte Stammapostel Richard Fehr Lukas 10,20 zugrunde: „Freuet euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Als Namen für den Verstorbenen wählt er: „Licht der Welt“, „Treu und wahr“, „Kreuzesträger“ und „göttlicher Goldschmied“.

Göttlicher Goldschmied

Letzterer bezieht sich auch auf die Stadt seiner Herkunft und den Beruf, den Willi Wintermantel schon in jungen Jahren ausübte. Seine Geburtsstadt Pforzheim (Deutschland) nennt sich auch „Goldstadt“ und wurde schon im 18. Jahrhundert durch ihre Schmuck- und Uhrenindustrie weltbekannt. Auch Willi Wintermantel begann als 14-Jähriger seine Ausbildung bei einer Schmuckwarenfabrik und Großhandlung als kaufmännischer Angestellter.

Er musste so früh arbeiten gehen, da sein Vater 1912 starb, als Willi Wintermantel erst acht Jahre alt wurde. „Ich lernte auf vieles verzichten, da es immer nur für das Nötigste reichte“, formulierte er später in seinem Lebenslauf. „In diesen schweren Verhältnissen suchte meine Mutter nach innerem Halt, nach Ruhe und Frieden für die Seele. Gerne folgte sie der Einladung in die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche.“ So wurde die ganze Familie am 24. Oktober 1913 neuapostolisch. „Meine liebe Mutter war mir als gottergebene Beterin stets ein leuchtendes Vorbild im Glauben und legte einen köstlichen Glaubensgrund in meine junge Seele“, schrieb Willi Wintermantel später.

Er selbst betätigte sich eifrig in der Kirche. Gerne spielte der junge Willi Wintermantel in seiner Freizeit im Posaunenchor und sang im Männerchor. Seine berufliche Zeit verbrachte er ab 1925 in einer Schmuckwarengroßhandlung, für die er ab 1930 Prokura erhält. Nach Ende des zweiten Weltkriegs 1945 übernahm er dieses Unternehmen als Eigentümer und baute sie wieder auf.

Kreuzesträger

Am 21. Juni 1930 gaben sich Willi Wintermantel und Martha Sauter das Ja-Wort. Zwei Jahre später, am 4. Dezember 1932, wird er mit dem Amt des Diakonen betraut. Sohn Manfred Wintermantel erblickt am 30. Juli 1933 das Licht der Welt. Doch die Eltern verlieren ihr Kind schon früh.

Als Manfred Wintermantel am 28. März 1955 mit Raymond und Leon Dauber, den Söhnen des Apostels Chrétien Dauber in Erfüllung ihres Amtsauftrags unterwegs war, verunglückten die drei tödlich bei einem Verkehrsunfall. „Wir beugten uns schmerzerfüllt unter Gottes Zulassung, wissend, dass er nur Gedanken des Friedens und nicht des Leidens mit den Seinen hat“, schrieb Willi Wintermantel in seinem Lebenslauf.

Licht der Welt

Im Laufe der Jahre übernahm Willi Wintermantel einige Ämter in der Neuapostolischen Kirche. Insgesamt war er 50 Jahre Geistlicher, davon 30 Jahre – seit dem 5. August 1951 – Apostel und davon 14 Jahre Bezirksapostel.

Der für den damaligen Bezirksapostelbereich Baden zuständige Apostel war Friedrich Hahn, mit dem Willi Wintermantel schon immer ein gutes Verhältnis verband. 1965 erkrankte Bezirksapostel Hahn schwer und konnte sein Amt nicht mehr ausüben. Stammapostel Walter Schmidt übertrug die Leitung von dessen Apostelbereich Karlsruhe dem Apostel Wintermantel, setzte Friedrich Hahn in den Ruhestand und beauftragte schließlich am 19. März 1967 Willi Wintermantel zum Bezirksapostel für Baden.

Treu und wahr

Den rund 30.000 Kirchenmitgliedern diente er voller Liebe. Das bezeugten seine Wegbegleiter. Stammapostel Hans Urwyler sagte über Willi Wintermantel: „Du warst kein Mann von vielen Worten, aber einer von großer Liebe. Ein Mann, durch den der ewige Gott und Vater sein Volk segnen konnte.“ Und Apostel Herbert Volz erinnerte sich: „Was mir von Anfang an wohlgetan hat, war die Liebe aus seinem Herzen.“ Es sei „die unverbrüchliche Liebe“, die den Bezirksapostel so reich gemacht habe.

Einen Tag nach seinem 77. Geburtstag wurde Willi Wintermantel in Eppelheim (Deutschland) von Stammapostel Hans Urwyler in den Ruhestand verabschiedet. Sieben Jahre noch durfte er als „eifriger Beter“ die Gottesdienste besuchen. Am 19. Juli 1988 starb er, nachdem ein Tag vorher sein Nachfolger Bezirksapostel Klaus Saur mit ihm Heiliges Abendmahl feierte.

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