Gottes Wort in Menschenworten

Die Predigt – das ist mehr als eine Rede mit religiösem Inhalt. Sie ist die Vergewisserung göttlicher Nähe und seiner Hilfe. Sie ist das Verkünden und Erklären des göttlichen Willens. Die Predigt macht Mut, baut auf, tröstet, schenkt Perspektive.

An der Predigt scheiden sich die Geister, im besten Sinn des Wortes. Gottes Wort soll verkündet werden, nicht eigene Erfahrungen, nicht eigene Werte, nicht alltäglicher Kleinkram oder gar Belangloses. Sie ist eine an die Gemeinde gerichtete geistliche Rede eines Amtsträgers, die von der Kraft des Heiligen Geistes erweckt und durchwirkt ist.

Authentisch predigen kann nur, wer das auch glaubt. Jesu Bergpredigt etwa verstörte die Menschen, das Volk entsetzte sich über seine Lehre, „denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (Matthäus 7,29). Auch die erste christliche Predigt des Apostels Petrus zu Pfingsten verblüffte die Anwesenden (Apostelgeschichte 2,14ff.).

Grundlage ist die Heilige Schrift

Predigten gehören zum Kernstück des Gottesdienstes. In neuapostolischen Gottesdiensten nimmt die Verkündigung von Gottes Wort einen breiten Raum ein. 20 bis 25 Minuten Hauptpredigt, weitere Predigtzugaben à fünf Minuten. Sie müssen sich an dem messen, was in der Heiligen Schrift überliefert ist, sagt der KNK. Zwar geschieht die Predigt in freier Rede, hat aber dennoch Rahmenbedingungen. Auch wenn sie vom Heiligen Geist erweckt wird, bildet ihre Grundlage doch ein vorgegebenes Bibelwort, das mit Hinweisen zur Auslegung den Amtsträgern vom Stammapostel zur Vorbereitung auf die Gottesdienste zur Verfügung gestellt wird.

Das Evangelium Jesu Christi steht im Mittelpunkt: Jesu Leben, seine Opfertat, seine Auferstehung und sein Wiederkommen. Auch die Verherrlichung Gottes, das Rühmen seiner Taten zu allen Zeiten wird verkündet. Die Predigt bietet Orientierung für ein Leben nach Gottes Willen, appelliert an die Versöhnungsbereitschaft der Gläubigen. Dies alles leitet hin zum Empfang der Sakramente.

Nicht fehlerlos, aber auch nicht kraftlos

Natürlich ist die Predigt nicht frei von Fehlern – diese Erkenntnis erschrickt zunächst und führt gelegentlich zu Irritationen. Zwar ist Gottes Wort vollkommen, lauter und untrüglich — doch wird es durch unvollkommene Menschen verkündigt. Es bestehen also zwei Ebenen, so erklärt es der Katechismus: „Die eine ist die menschliche: Ein Mensch redet, und Menschen hören zu. Auf dieser Ebene sind weder sprachliche und inhaltliche Fehler des Redners noch Verständnisfehler der Hörer ausgeschlossen. Die andere Ebene ist die göttliche: Der Heilige Geist spricht durch den gesandten Knecht Gottes zum Herzen des Zuhörers und stärkt bzw. erweckt in ihm Glauben. Die Unvollkommenheit geäußerter Worte und Sätze hindert also Gott nicht, Kraft hineinzulegen.“

Auch der Hörer muss Glauben einsetzen: „Das meint, dass der Hörer sich im gläubigen Vertrauen dem Wort der Predigt öffnet, es annimmt und bereit ist, es mit in sein Leben zu nehmen. Dann erweckt das Wort der Predigt im Hörer auch Einsicht. Begangene Sünden werden erkannt, Reue und Buße und das Verlangen nach Gnade hervorgerufen“ (KNK 12.1.6.3.3).

Kleine Checkliste für eine gute Predigt

Eine Checkliste für eine gute Predigt – gibt es das? Eigentlich nicht, denn Automatismus hinter dem Altar lenkt eher vom Kern ab. Doch das Konzentrieren auf Rahmenbedingungen kann helfen, eine Predigt als gute Predigt zu gestalten:

  • Authentisch: Der Prediger muss glauben, was er sagt. Er weiß sich als Werkzeug Gottes und glaubt an seine Sendung durch den Apostel.
  • Liebevoll: Seine Predigt ist zwar frei gesprochen, orientiert sich aber an der Schrift. Das Wort Gottes hat Grundlagen, nachvollziehbare Fundamente und basiert letztlich auf Gottes unnachahmlicher Liebe zu den Menschen.
  • Lebensnah: Die verkündete Botschaft soll die Hörenden mitnehmen. Bilder, Erfahrungen, Gleichnisse müssen in die Gegenwart passen. Eine gewisse rhetorische Klarheit ist von Nutzen.
  • Mitnahmefähig: Eine gute Vorbereitung ist der Prediger der hörenden Gemeinde schuldig. Äußerliches soll den inneren Kern nicht überdecken oder stören. Die apostolische Wortverkündigung vom Kommen des Herrn in Kürze darf nicht durch zu langatmige oder unstrukturierte Predigten konterkariert werden.

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Peter Johanning
5.04.2016
Gottesdienst, Lehraussagen