Von Traum und Wirklichkeit

Da gab es einen Träumer – vor 60 Jahren. Er war schwarz und musste deshalb sterben. Sein Name: Dr. Martin Luther King. Sein Traum war die Gleichberechtigung unter den Menschen. Die ist noch immer ein Traum.

Am 21. März jeden Jahres begehen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung – ein Tag, der Christen besorgt machen muss. Dass Menschen überhaupt nach Rassen unterscheiden, ist vom Kern her bereits unchristlich – dass sie daraus fürchterliche Taten ableiten, noch viel mehr. Im Namen des Rassismus sind Menschen getötet, gefoltert, verworfen, ausgegrenzt, diskriminiert worden. Und nichts davon gehört der Vergangenheit an: Völkerunruhen, Bruderkriege, Rassenkonflikte, Intoleranz und Gewalt gibt es auch heute noch – in dieser Sekunde! Der Aufruf von UN-Generalsekretär António Guterres, der davon spricht, wie wichtig es sei, das gegenseitige Verständnis unter den Völkern zu nähren und der Vielfalt zum Erfolg zu verhelfen, ist ein richtiger, aber wohl wenig gehörter Kontrapunkt.

Gegen Apartheit

Ausgangspunkt für den Gedenktag der UNO war das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960. Ein Tag, an dem sich rund 200.000 Menschen zusammenfanden, um gegen das Apartheid-Regime in Südafrika zu demonstrieren. Trotz der gewaltfreien und friedlichen Protestaktion eskalierte die Situation, es kam zu Schüssen der Polizei, 69 Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt. Sechs Jahre nach diesem Ereignis rief die UNO mit dem Internationalen Tag gegen den Rassismus einen entsprechenden Gedenktag aus.

Sharpeville gibt es überall auf der Welt. Stammapostel Jean-Luc Schneider, geistliches Oberhaupt der Neuapostolischen Kirche, bezieht klare Position, wenn es um Diskriminierung und Menschenverachtung geht. „Lasst uns selbst in unseren Feinden die Seele erkennen, die der Herr so sehr liebt, dass er für sie gestorben ist.“ – „Die Neuapostolische Kirche lehnt jegliche Form der Gewalt ab! Das ist die Position unserer Kirche, das ist meine Position als Stammapostel und das sagt auch das Evangelium!“ – „Unsere Beziehung zum Nächsten sollte nicht beeinflusst sein von dem, was in der Welt geschieht. Unsere Referenz ist der allmächtige Gott. Tu dem Nächsten nichts, was du nicht willst, dass er dir tut.“ – „Der Nächste, das ist der, der krank ist, der im Gefängnis sitzt und der Fremde, der so ganz anders ist, der Fremde, der eine andere Kultur hat, einen anderen Glauben, ein anderes Wesen, eine andere Meinung, das ist dein Nächster. Den musst du lieben! Du kannst nicht selbst bestimmen, wer dein Nächster ist. Der Nächste ist, den Gott neben mich gestellt hat.“

Gegen Hass und Intoleranz

Solche und ähnliche Sätze wiederholt der Stammapostel an unterschiedlichen Orten der Welt immer wieder. Er bekräftigt damit die Position der Neuapostolischen Kirche gegen Gewalt und Diskriminierung, wie sie im Katechismus verzeichnet steht: „Die Neuapostolische Kirche ist dem Evangelium und den Geboten christlicher Ethik verpflichtet. Sie sieht ihre Aufgabe unter anderem in „praktizierter Nächstenliebe“, die den Menschen ohne Ansehen von Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Nationalität und Religion zugutekommt.“

Ein großer Traum

„Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“ Seine berühmte Traum-Rede hielt Martin Luther King 1963 in Washington D.C., 250.000 Menschen hörten ihm zu. 1964 wurde die Rassentrennung per Gesetz aufgehoben, King erhielt den Friedensnobelpreis und ein Jahr später trat ein neues Wahlrecht in Kraft, durch das alle schwarzen Amerikaner zur Urne schreiten konnten. In seiner Nobelpreis-Rede sagte King: „Ich besitze die Kühnheit, daran zu glauben, dass alle Menschen drei Mahlzeiten täglich für ihren Körper haben können, Bildung und Kultur für ihren Geist, und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihre Seele.“ Ein großes Erbe

Er, der damals vor 60 Jahren von seinem Traum erzählte, wurde am 4. April 1968 in Memphis auf dem Balkon seines Hotels erschossen, von James Earl Ray, einem Rassisten. King wurde gerade einmal 39 Jahre alt. In Vorausahnen seines Todes sagte King einmal: „Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keine vornehmen und luxuriösen Dinge hinterlassen. Ich möchte nur ein engagiertes Leben hinterlassen. Das ist alles, was ich sagen möchte.“

Sein Erbe ist groß – für den Einzelnen zu groß. Doch wenn wir alle träumen, dann …


Foto: Dumebi - stock.adobe.com

Artikel-Infos

Autor:
Datum:
Schlagworte:

Peter Johanning
21.03.2020