Weitgereist und doch heimatverbunden

Vor 50 Jahren, am 2. Februar 1971, wurde er zum Bezirksapostel ordiniert. Damals hieß Simbabwe noch Rhodesien. Sein Verantwortungsbereich schloss Sambia und Malawi mit ein. Geboren wurde Andrew James Fernandes in Kapstadt, Südafrika. Er wurde ein internationaler Afrikareisender.

Andrew James Fernandes – dieser Name hat noch heute einen guten Nachklang. Sein Lebenslauf ist interessant, seine Hingebungsbereitschaft außerordentlich und seine Liebe für den Herrn beispielhaft. Früh, im Alter von nur 13 Jahren, verliert er seinen Vater – ein herber Schlag für die Familie. Die war neuapostolisch, von Anfang an. Sein Vater Alfred Francis Fernandes war als Priester unterwegs und für seinen Eifer bekannt. Der junge Andrew fand Gefallen an dessen Arbeit und begann, in die Fußstapfen seines Vaters hineinzuwachsen. Nur 20-jährig wurde er zum ersten Mal ordiniert – in das Unterdiakonenamt.

Der Junggebliebene

Er war eigentlich immer jung bei den weiteren Ordinationen. 1957, mit 40 Jahren, wurde ihm schließlich das Apostelamt anvertraut. Das war zu jener Zeit ein relativ junges Lebensalter für dieses Amt. Als das Bezirksapostelamt folgte, war er 54 Jahre alt und konnte noch 18 Jahre lang seine Handschrift hinterlassen.

Von Bruder zu Bruder

Der 19. Oktober 1955 gilt als wichtiges Datum im Geschichtsbuch der Neuapostolischen Kirche im südlichen Afrika. Damals ordinierte Stammapostel Johann Gottfried Bischoff Apostel Hubert Fernandes – Andrews älterer Bruder – zum Bezirksapostel und gliederte die Regionen im südlichen Afrika in drei eigenständige Bezirksapostelbereiche: die Kap-Region und Namibia mit Bezirksapostel Arno Abicht an der Spitze, Pretoria mit Bezirksapostel Jacobus Kreunen und Rhodesien mit Bezirksapostel Hubert Fernandes.

Die Fernandes-Brüder arbeiten also gemeinsam an der Spitze eines großen Einzugsbereiches, der ihnen alles abverlangt. Sie unternehmen lange und schwierige Reisen, um die Gemeinden in dem weitläufigen Landstrich zu betreuen. „Die sogenannten Straßen, die zu ihnen führen, sind mit gewöhnlichen Wagen nicht befahrbar“, berichtet ein Zeitgenosse. „Außerdem ist es in manchen Gegenden ausgeschlossen, eine Unterkunft zu bekommen“.

Richtig gefährlich wird es, als in den 1960er und 70er Jahren ein Guerilla- und Bürgerkrieg in der Region tobt. Die politische Lage in der Region wird instabil, Nord- und Südrhodesien leben sich auseinander, was natürlich auch Einfluss auf den innerkirchlichen Betrieb nimmt.

1971 entsteht eine weitere Neugliederung der Bezirksapostelbereiche, diesmal durch Stammapostel Walter Schmidt: Die vormalige Gebietskirche Rhodesien wird in zwei Landeskirchen aufgeteilt. Bezirksapostel Hubert Fernandes, gesundheitlich inzwischen schwer angeschlagen, bleibt in Simbawe stationiert, Andrew James Fernandes geht als Bezirksapostel nach Sambia und Malawi und arbeitet dort zusammen mit Apostel Jeremiah Njamba und Bischof Gert Naudé.

Fünf Jahre später übernimmt er zusätzlich die Verantwortung für die Gemeinden in Simbabwe, nachdem sein Bruder verstorben war.

Eines seiner besonderen Verdienste war sicher die Einführung regelmäßiger Unterrichte für die Sonntagsschulkinder und des Religionsunterrichtes. Auch die Chorarbeit lag ihm sehr am Herzen. In seinen Jahren als Bezirksapostel wuchs die Zahl der Mitglieder auf rund eine halbe Million.

Ein erfülltes Lebenswerk

Bezirksapostel Andrew James Fernandes stirbt am 9. Juni 1989 im Alter von 72 Jahren. Die Trauerfeier hielt der damalige Stammapostel Richard Fehr in Harare, Simbabwe. Das Bibelwort aus 2. Timotheus 4,7.8 umfasste auch den Vers, mit dem fast 60 Jahre zuvor der Nachruf seines Vater Alfred Francis Fernandes versehen war: „Hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.“

Im selben Gottesdienst wurden der Apostelhelfer Duncan Mfune als Bezirksapostel für Sambia und Bischof Anthony Fernandes, der Sohn von Hubert Fernandes, als Bezirksapostel für Simbabwe und Malawi ordiniert. Heute sind die Gebietskirchen Sambia, Simbabwe und Malawi wieder ein großer Bezirksapostelbereich mit über einer Million neuapostolischer Kirchenmitglieder. Ihr Bezirksapostel heißt Kububa Soko.


Foto: Zentralarchiv NAK Westdeutschland

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Peter Johanning
2.02.2021
Simbabwe, Bezirksapostel, Persönlichkeiten