Der Altar – Treffpunkt mit Gott

Die Orgel setzt ein – der Priester durchquert das Kirchenschiff und stellt sich hinter den Altar. Der Altartisch ist erhöht gebaut, dahinter das Kreuz. Am Altar wird Gott verehrt, hier wird an den Opfertod Jesu erinnert, hier wird gepredigt. Der Altar wird auch „mensa domini“ genannt, also Tisch des Herrn.

So beginnen Gottesdienste in vielen christlichen Gemeinden. Ein vertrautes Bild. Im Zentrum der festgelegten Liturgie steht die gemeinsame Feier des Heiligen Abendmahls. Und auch deshalb ist der Altar Schnittstelle der Begegnung zwischen Gott und Gemeinde. Die Gottesdienstteilnehmer gehen nach vorn, um die konsekrierte Hostie entgegen zu nehmen. Ziel dieser kleinen Prozession ist erneut der Altar. Auf ihm werden Brot und Wein ausgesondert, damit Leib und Blut Christi wirklich gegenwärtig sein können. Dort, am Ort des heiligen Handelns Gottes, werden den Gläubigen die Hostien gereicht.

Der Tisch des Herrn

Der Altar ist für viele christliche Gemeinden und ihre Gottesdienstfeiern also von grundlegender Bedeutung. Ob sie aus Holz oder Stein gebaut sind, bleiben sie doch immer Tisch. Wenn es auch ganz unterschiedliche architektonische Verwirklichungen von Altar gibt, soll der Tisch des Herrn (1. Korinther 10,21) an das Abendmahlsgeschehen – Jesus isst mit seinen Jüngern – erinnern. Eine Tafel verband sie damals zu einer Mahlgemeinschaft; so soll es auch heute sein. In vielen Kirchen ist der Altar selbst, aber auch der ihn umgebene Raum deshalb heilig. Der Gläubige darf sich nähern, aber eine gewisse Grenze nicht überschreiten. Dies führt in den großen Kirchen dazu, dass eine Kordel den unmittelbaren Altarbereich vom üblichen Rundgang durch das Kirchenschiff abgrenzt. Dort steht das geweihte Amt, der Priester, der opfert oder predigt. In orthodoxen Kirchen ist der Altar sogar gänzlich vor der Gemeinde verborgen. Hier ist er quasi das Allerheiligste, das nur der Priester betreten darf.

Opfer- und Predigtaltar

Im alten Jerusalemer Tempel gab es einen Opfer- und einen Brandaltar – von erhabener Schönheit. Mit dem Opfertod Jesu Christi haben diese Opferriten allerdings den Sinn verloren. Für viele Christen ist der Altar der Ort, an dem sie Jesus treffen. In der Neuapostolischen Kirche ist der Altar Opfer- und Predigtaltar zugleich. Deshalb steht auf dem Altartisch ein Kanzelpult. Hierdurch wird die zweifache Nutzung angedeutet. Die Predigt bereitet den Weg zum Sakrament. Das Sakrament ist die Mitte des Gottesdienstes. Beides findet am Altar statt. Der Priester handelt als Werkzeug Gottes am heiligen Platz: Er verkündet das Wort Gottes, und er spendet Leib und Blut des Herrn. In anderen Kirchen gibt es entweder mehrere Altäre oder einen von der Predigtkanzel getrennten Opfertisch. In den katholischen Kirchen stehen meist zwei Altäre: ein Hochalter, prächtig verziert. Und der Volksaltar – hier handeln die Priester. In den Gemeinschaften, die das Abendmahl eher als Symbol für die Gegenwart Jesu verstehen, ist dagegen die Kanzel Mittelpunkt der Gemeinde.

In neuapostolischen Gemeinden wird seit der Liturgiereform der Ambo eingesetzt: Von hier aus finden die Bibellesungen an den Hochfesten des Jahres statt. Meist dient dazu ein Lesepult.

Ein heiliger Platz

„Vom ersten Altar, den Menschen bauen, um Gott zu dienen, ihn anzubeten, ihm zu danken und ihm Opfer zu bringen, wird in 1. Mose 8 berichtet. Noah errichtet einen Altar und bringt Gott ein Dankopfer dar. Der Herr antwortet darauf mit der Zusage, hinfort die Schöpfung zu erhalten“, so heißt im Katechismus der Neuapostolischen Kirche unter Punkt 12.1.2. Gott gab Mose genaue Weisungen zur Errichtung eines Altars.

Der Altar war also schon immer ein heiliger Platz.

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Peter Johanning
3.09.2016
Gottesdienst