Warum der Karfreitag ein guter Freitag ist

Der Karfreitag ist keineswegs ein schlechter Freitag. Diesen Satz verstehen eigentlich nur hoffnungsfrohe Christen. Denn immerhin ist der Karfreitag der Todestag des Herrn, doch hat Christus mit seinem Tod auch neues Leben ermöglicht. Einblicke der besonderen Art.

Ans Kreuz genagelt zu werden, ist eine schreckliche Tortur und so ziemlich die schlimmste Art von Folter. Nicht nur, dass sich das Sterben über Stunden hinstreckt und nach und nach alle Organe betrifft – es sind die Schmach, der ungeheuerliche Hohn, die öffentliche Zurschaustellung, die diese Prozedur noch zusätzlich so unheimlich machen. Sterben muss jeder einmal – aber so, auf diese Weise?

„Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.“

Warum nur hatte es soweit kommen müssen? Und was hat das mit den Christen heute zu tun?

Die Frage nach der Schuld

Für Jesu Tod gibt es mehrere Motive. Und mehrere Täter. Würde ein moderner Kommissar an diesem Fall arbeiten, fände er sehr schnell die Schuldigen. Es herrschte damals eine angespannte Gemengelage: Niemand traute dem anderen. Da gab es viele Rechtgläubige, Menschen mit Einfluss auf Null-Toleranz-Kurs. Für sie war dieser Jesus aus Nazareth nichts anderes als ein Gotteslästerer. Hatte der nicht laut gesagt, dass er Gottes Sohn sei? Und wie soll das bitte gehen, sich Sohn des erhabenen Gottes zu nennen? Darauf steht die Todesstrafe.

„Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.“

Auch die Besatzungsmacht spielte ihr Spiel, wie immer, wenn Menschen unterdrückt werden sollen. Jerusalem und Galiläa waren damals ein Siedetopf unbereinigter Konflikte: grundverschiedene Völker, fremde Kulturen, jeweils andere Sitten und Gesetze, Fremdenhass und Überlegenheitswahn – und all das auf wenigen Quadratkilometern. Eine unheilvolle Mischung. Und wenn Zwei sich streiten, muss ein Dritter dafür büßen.

„Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.“

Beschlossene Sache

Zuletzt musste auch „die Schrift“ erfüllt werden, die alten Vorhersagen, die ein Zeichen dafür waren, dass dieser, den man kreuzigte, der Messias gewesen war. Jesu Tod war beschlossene Sache. Schon die verehrten Propheten hatten auf ihn und sein schmähliches Ende verwiesen. Solche Stellen lasen die Synagogendiener stets gern – jetzt erfüllte es sich vor ihren Augen. Allein: Sie sahen es nicht.

„Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.“

Das gute Ende kommt am Schluss

Und wie kommen die Menschen heute ins Spiel? Sind sie etwa auch schuldig? Ja vielleicht, denn „wir“, die Menschen, sind nun einmal Sünder, unvollkommen und auf Gnade angewiesen. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hilft uns aus diesem Schlamassel heraus. Er ist unser Fürsprecher vor Gott, unser Anwalt, der uns verteidigt. Er lässt sein Leben für seine Schafe. Er stirbt, damit wir leben können.

„Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen, und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der als Erster zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste. Da gingen die Jünger wieder zu den anderen zurück.“

Aus der Höhle in den Himmel

Und deshalb ist Karfreitag ein guter Freitag. Nach christlichem Glauben ist er der Tag, an dem Christus zwar gestorben und umgebracht worden war, aber auch der Tag, der dem Auferstehungsmorgen voranging. Ohne Kreuz keine Auferstehung – ohne Tod kein Leben – ohne Grab keine Freiheit.

„Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.“

Das ist Auftrag der Christen heute: Hingehen und Tod und Auferstehung Jesu Christi in aller Welt verkündigen!

„Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“


(alle Bibeltexte aus Johannes 19 und 20)



Foto: Tomasz Zajda - stock.adobe.com

Artikel-Infos

Autor:
Datum:
Schlagworte:

Peter Johanning
9.04.2020
Karfreitag, Ostern