Europa und Kanada schalten auf Übertragung um

Sämtliche Aktivitäten in allen neuapostolischen Gemeinden in ganz Europa sind ab sofort ausgesetzt. Das haben der Stammapostel und die Bezirksapostel am Montag festgelegt. Und dennoch gibt es Gottesdienste – der etwas anderen Art.

Es war eine turbulente elfte Kalenderwoche für die leitenden Amtsträger vom Bezirksvorsteher bis zum Bezirksapostel: Während in Italien wegen der Corona-Pandemie schon ab Dienstag alle Gemeinde-Termine ausfielen, feierte der Rest Europas noch Mittwochsabendmahl. Und während Westdeutschland am Samstagabend den Sonntagsgottesdienst gebietskirchenweit absagte, kamen die Glaubensgeschwister in Süddeutschland stellenweise zusammen.

Maßnahme: Pause in den Gemeinden

Hintergrund sind unterschiedliche Vorgaben und Empfehlungen der örtlichen Behörden. Doch ab sofort ist das einheitlich geregelt: „Bis zum Donnerstag, 2. April 2020, werden alle Gottesdienste und sonstigen kirchlichen Angebote in allen Bezirken und Gemeinden europaweit ausgesetzt“, teilt die Leitseite nak.org mit.

Das gehört zu den Maßnahmen, die der Stammapostel und die europäischen Bezirksapostel am Montagvormittag in einer Telefonkonferenz besprochen haben. So können Trauerfeiern nur noch im engen Kreis auf Friedhöfen oder in Krematorien stattfinden. Und persönliche Seelsorgebesuche beschränken sich auf absolute Notfälle.

Zweck: Weniger Risiko für alle

Den Grund dafür haben die Bezirksapostel in ihren bisherigen Rundschreiben bereits erläutert. Es geht darum, die Gefahren der Corona-Pandemie für alle zu reduzieren. Mediziner gehen davon aus, dass sich ein Großteil der Bevölkerung auf jeden Fall infizieren wird und ein gewisser Prozentsatz auch intensive ärztliche Hilfe brauchen wird.

Wenn zu viele Menschen gleichzeitig erkranken, fehlt es an Möglichkeiten, alle zu versorgen. Dann müssten mehr Menschen sterben. Deshalb ist es wichtig, die Phase der Ansteckung auf einen längeren Zeitraum zu strecken. Das funktioniert am besten, wenn man persönliche Kontakte vermeidet.

Alternative: Übertragung nach Hause

Dennoch wollen die Bezirksapostel die Glaubensgeschwister in diesen unruhigen Zeiten nicht ohne Gottesdienst und Seelsorge lassen: Deshalb bieten die europäischen Gebietskirchen am 22. und 29. März Gottesdienst-Übertragungen an – per Telefon, IPTV oder Youtube-Stream: ohne Heiliges Abendmahl, aber mit Freisprache und „Unser Vater“.

Diese Entscheidung folgt dem Muster, das bereits am vergangenen Wochenende praktizierte wurde. Mancherorts stellten die Gemeinden kurzfristig Telefon- oder Video-Übertragungen auf die Beine. Andernorts gab es bereits zentrale Sendungen, unter anderem in Österreich und in der Schweiz.

Viel Aufmerksamkeit erregte das Live-Streaming der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland über Youtube. Inklusive Telefon und IPTV verzeichnet dieser Gottesdienst fast 20.000 Empfangsstellen, mit erfahrungsgemäß durchschnittlich zwei bis drei Teilnehmern.

Angespannt: die Lage weltweit

Selbst wenn die Pandemie derzeit stark Europa trifft, verschärft sich die Lage auch auf anderen Kontinenten. So hält die Gebietskirche USA zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen bei Gottesdienstbesuchen an. Kanada hat bereits präventiv alle Gemeinde-Termine bis einschließlich 5. April abgesagt. Das Land ist traditionell gut aufgestellt für Gottesdienst-Übertragungen.

In Afrika ist die dokumentierte Zahl der Infektionen relativ gering. So beschränken sich die Gebietskirchen „Sambia, Malawi, Simbabwe“ und „Demokratische Republik Kongo West“ noch auf Hygiene- und Verhaltenshinweise. In Südafrika, wo die Regierung den Katastrophenfall ausgerufen hat, tagte derweil der Krisenstab der Kirchenleitung. Für diesen Dienstag ist eine Video-Ansprache des Bezirksapostels angekündigt.

Für Europa ist am 30. März eine weitere Telefonkonferenz der Bezirksapostel mit dem Stammapostel anberaumt. Dann wollen sie die aktuelle Entwicklung bewerten und die weitere Vorgehensweise abstimmen.

Ausführliche Berichte über den Streaming-Gottesdienst vom vergangenen Sonntag finden sich auf nak.org und nak-west.de .

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Andreas Rother
16.03.2020
Gottesdienst, Gemeindeleben