Opfern heißt verzichten? Nicht unbedingt. Denn das Wort erzählt eigentlich eine ganz andere Geschichte: von Nähe, Hinwendung und Aufmerksamkeit – wie Kinder das entdecken können.
Das Opfern hat einen ziemlich schlechten Ruf – Verzicht auf etwas, das mir wichtig ist. Etwas abgeben, was ich eigentlich behalten möchte. Der Opferkasten im Gottesdienstraum erinnert regelmäßig daran, dass ich opfern sollte. Er hat sogar die Macht, in mir ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Auch biblische Erzählungen wie das Beinahe-Opfer Isaaks durch Abraham oder die Tieropfer des Alten Bundes unterstützen diesen vermeintlich radikalen Charakter des Opfers, das Übermenschliches von uns verlangt.
Dem Wortsinn nach heißt „erziehen“, Kinder und Jugendliche zu einem gewünschten Verhalten hin zu ziehen. Das können gesellschaftlich anerkannte Werte und Normen wie Respekt, Freundlichkeit und Dankbarkeit sein. Eltern freuen sich, wenn ihr Kind das Verhalten zeigt, das sie sie gelehrt haben. In christlicher Erziehung ist auch das Opfern ein Verhalten, das wir Kinder und Jugendliche lehren möchten.
Mit Kindern über das Opfern sprechen
Erklären wir unseren Kindern, dass Opfer nichts ist, was uns weggenommen wird. In der Sprache der Bibel, Hebräisch, heißt opfern: sich nähern, sich hinwenden, etwas hintragen. Eine Hinwendung geschieht bewusst, sie ist konzentriert und wohlwollend auf eine Person oder eine Sache ausgerichtet. Die Hinwendung zum Nächsten ist nicht zerstreut oder im Nebenbei zu erledigen. Opfer ist eine bewusste Konzentration auf den Nächsten.
Sprechen wir mit unseren Kindern darüber, wie wir anderen Gutes tun können – und tun wir es mit ihnen. Dies kann durch ein Lächeln, durch Zeit oder einen Geldbetrag geschehen – jenseits davon, ob ich gerade Lust und Zeit habe, ob der andere mir passt oder nicht. Christ sein ist nicht bequem. Denn Gott kann von uns erwarten, dass wir Christen mehr tun als das, was nötig wäre. Dabei geht es nicht darum, zu beurteilen, ob jemand besser oder schlechter opfert – der andere kann mir in seinem Opfer, der Haltung zum Nächsten, ein Vorbild sein.
Das Opfer Jesu am Kreuz darf mit keinem anderen Opfer verglichen werden (vgl. KNK-FA 734). Dieses Wissen bewahrt uns davor, unser Opfer als unerfüllbare Aufgabe oder einen Akt der Selbstgeißelung zu bewerten. Jesu Opfer ist uns ein Vorbild in der Liebe zum Nächsten.
Bestärken wir unsere Kinder im Bewusstsein, dass Gott uns gut gemacht hat: Wir sind in der Lage zu opfern, weil wir von Gott gesegnet sind. Das bedeutet, dass er uns als seine Geschöpfe gemacht hat und wir auch die Liebe Gottes in uns tragen. Weil wir diese Liebe in uns haben und Gott lieben, wollen wir opfern.
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Über die Autorin

Nina Wilkenloh unterrichtet als Studienrätin Deutsch und Geschichte an einer Gesamtschule. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe Kirchengeschichte der NAK International.