Die Sakramente (33): „Zu Tisch!“ – die Mahl-Zeiten

Wann ist der Tisch des Herrn gedeckt? Und wie oft nimmt der Glaubende daran Platz? Von täglich bis jährlich ist alles dabei in Geschichte und Gegenwart der Konfessionen – ein Rundgang durch die Kirchen.

Täglich – so lautete die Devise bei den ersten Christen in den Hausgemeinden des griechischen Kulturkreises, als das Abendmahl noch Brotbrechen hieß und ein besseres Dankgebet beim gemeinschaftlichen Abendessen darstellte. Wöchentlich feierten hingegen die Judenchristen, der Synagogen-Tradition folgend, am Sabbat, dem Samstag. Bald verschob sich die Feier des Herrenmahls hier wie dort auf den Herrentag – den Sonntag, als den Tag der Auferstehung.

Eine gewisse Täglichkeit blieb erhalten. Denn es war weitverbreitet, Abendmahlgaben mit nach Hause zu nehmen, um an jedem Morgen etwas davon zu verzehren: „vor jeder anderen Speise“, so die Vorschrift. Das ist vom zweiten bis ins sechste Jahrhundert bezeugt. Daraus entwickelte sich das „eucharistische Fasten“ – die Vorgabe in Katholizismus und Orthodoxie, vor der eigentlichen Feier eine gewisse Zeit lang auf Speisen und Getränke zu verzichten.

Auf Abstand zum Altar

Im Mittelalter entwickelte sich die Eucharistie-Feier immer mehr zu einer Art Schauspiel innerhalb des Altarraumes. Die Gemeinde geriet in eine passive Zuschauerrolle. Die Gläubigen verzichteten auf Brot und Wein und begnügten sich mit „Augenkommunion“. Um dem entgegenzuwirken, führte das katholische Laterankonzil von 1215 die Pflicht ein, mindestens einmal im Jahr am Tisch des Herrn Platz zu nehmen.

Auch das wollten die Reformatoren besser machen. So konnte es für Luther und Co. nichts anderes geben als Abendmahlsfeiern an jedem Sonntag. Doch mit Blick auf die Paulus-Warnung, sich mit einer unwürdigen Teilnahme selbst zu richten, reduzierten sich auch hier die Besucherzahlen ganz schnell. Bereits Mitte des 16. Jahrhundert boten viele evangelische Gemeinden die Abendmahlsfeier nur noch vier Mal im Jahr an. Ganz ähnlich sah es bis ins 20. Jahrhundert hinein in der anglikanischen Kirche aus.

Mit der „liturgischen Bewegung“ im 19. und 20. Jahrhundert rückte die aktive Teilnahme am Sakrament wieder in den Mittelpunkt – sowohl auf evangelischer als auch auf katholischer Seite. Verstärkt wurde das durch ökumenische Bestrebungen sowie ausdrückliche Reformen der Kirchenleitung.

Heute möglichst oft

Heute bieten die katholischen Gemeinden die Eucharistie bei jeder Messe an, also auf jeden Fall sonn- und feiertags. Nicht wenige feiern auch eine Vorabendmesse. Die Kirchenmitglieder dürfen an jeder Feier teilnehmen, aber nicht mehr als zwei Mal an einem Tag. Sie sind verpflichtet, mindestens einmal im Jahr zur Kommunion zu gehen.

Eine derartige Pflicht kennen Kirchen der reformatorischen Tradition nicht. Einige evangelische Landeskirchen geben ihren Gemeindeleitungen allerdings vor, das Abendmahl mindestens einmal im Monat anzubieten. Viele Gemeinden feiern wöchentlich.

Die Neuapostolische Kirche spendet das Sakrament üblicherweise zwei Mal in der Woche: bis 1998 während der damals noch zwei Sonntagsgottesdienste, seitdem in dem jetzt einzigen Sonntagsgottesdienst und – wo er stattfindet – auch beim Mittwochs- oder Donnerstagsgottesdienst. Warum? „Weil es den Menschen in der Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus erhält“, erläutert der Katechismus in Fragen und Antworten: „Wir nehmen damit Wesen von Jesu Wesen auf.“

Ausnahmsweise außerhalb

Einig sind sich die katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchen sowie die Neuapostolische Kirche darin, dass das Altarsakrament in den Gottesdienst gehört – auf fast jeden Fall. Über eine Ausnahme, die allen ebenso gemein ist, berichtet Kirchenvater Justin, der Märtyrer, schon aus dem zweiten Jahrhundert: „Den Abwesenden wird“ von den ausgesonderten Gaben „durch die Diakone gesandt“ – die Versorgung von Kranken, Schwachen und Betagten.

Im Katholizismus ist von der Krankenkommunion die Rede, denn hier geht es allein um Spendung und Empfang. Protestanten kennen hingegen auch ein eigenständiges Krankenabendmahl inklusive Einsetzungsworte. Der Neuapostolischen Kirche ist diese Form der Seelsorge so wichtig, dass sie diese im Liturgie-Band 2, „Sonderformen des Gottesdienstes“, mit einem eigenen Kapitel bedenkt. Und da heißt es: „Grundsatz der Hausbedienung ist, dass sie dem üblichen Ablauf des Gottesdienstes so nahe wie möglich kommt.“


Foto: rawf8

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